Internationale Kurzfilmtage Oberhausen sind ein halbes Jahrhundert alt

28. April 2004, 19:17
posten

Ruf des weltweit ältesten und immer noch wichtigsten Kurzfilm-Festivals ungebrochen

Oberhausen - Die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen haben ein rudnes Jubiläum geschafft: Wenn der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder das Fest der kurzen Filme am Donnerstag im Industrie-Denkmal Gasometer eröffnet, ist es genau ein halbes Jahrhundert alt. Rund 5300 Filme aus aller Welt sind seit der Gründung der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen über die Festival-Leinwand geflimmert. Doch die bloßen Zahlen sind nicht entscheidend für den Ruf des weltweit ältesten und immer noch wichtigsten Kurzfilm-Festivals.

Die Anfänge

Oberhausens damaliger Volkshochschul-Chef Hilmar Hoffmann, erst später einer der bedeutendsten deutschen Kulturpolitiker, hatte das Festival als "Westdeutsche Kulturfilmtage" im Herbst 1954 aus der Taufe gehoben. Die kurze, ökonomisch fast unabhängige Filmform eignete sich über Jahrzehnte zum politischen Manifest ebenso vorzüglich wie zum ästhetischen Experiment: Namen wie Agnes Varda, Roman Polanski, Rosa von Praunheim, Werner Herzog, Alain Resnais oder Romuald Karmakar tauchen bei der Retrospektive des diesjährigen Jubiläums-Festivals (29. April bis 4. Mai) auf. Nicht wenige dieser Kamera-Künstler haben ihre ersten Erfahrungen als Kurzfilmer gesammelt.

Unter dem idealistischen Motto "Weg zum Nachbarn" war Oberhausen auch im kältesten Kalten Krieg der Ort, an dem via Film bei Flaschenbier und Frikadellen das Gespräch mit Künstlern und Funktionären aus dem "Ostblock" gesucht und gefunden wurde. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs machten zahlreiche Beiträge wie "Sovietskaja Elegija" von Alexander Sokurov (1989) mit dem Lebensgefühl im post-sozialistischen Osten vertraut.

Weg von "Papas Kino"

Und das 1962 von zwei Dutzend Filmern wie Alexander Kluge, Peter Schamoni oder Edgar Reitz unterzeichnete Oberhausener Manifest ("Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen...") war nicht nur der Sturmlauf gegen das bundesdeutsche Kommerzkino und die Initialzündung für den neuen deutschen Autorenfilm: Die Rebellion der Regisseure wurde zugleich Wetterleuchten für kommende Umbrüche in der bundesdeutschen Gesellschaft.

Junge Filmemacherinnen wie Chantal Akerman oder Helma Sanders-Brahms stehen in den Oberhausener Annalen für die aufkommende Frauenbewegung, die gekonnte und propagandistische Abrechnung Kubas mit den USA, "LBJ" von Santiago Alvarez (1968), für den immer breit vertretenen engagierten Film Lateinamerikas.

Rekordzahl an Einreichungen

Dass der Kurzfilm, obwohl seit den 70er Jahren weitgehend aus den Kinos verschwunden, dennoch springlebendig ist, beweisen nüchterne Zahlen: 5250 eingereichte Arbeiten aus 87 Ländern - eine Rekordzahl - wurden heuer für den Wettbewerb eingereicht.

TV-Features

Am Tag vor der Eröffnung, widmet der Kulturkanal Arte den Kurzfilmtagen von 22.50 Uhr an unter dem Titel "Kurz und skandalös" einen Themenabend. Neben einer Dokumentation der Festivalgeschichte werden auch Kurzfilme von Jean-Luc Godard, Martin Scorsese oder Chantal Akerman gezeigt, die wichtige Kapitel des Oberhausener Kinofestes ausgemacht haben.

Am 2. Mai stellt der Kinderkanal in der Ki.Ka "Trickboxx Spezial" von 13.30 Uhr an Kurzfilme aus dem Kinder- und Jugendfilmwettbewerb vor. 3sat zeigt am 4. Mai (22.25 Uhr) eine Sondersendung mit Kurzfilmen aus dem Deutschen Wettbewerb. Arte meldet sich wiederum nach dem Festival am 5.4. um 0.30 Uhr und am 7.4. um 15.15 Uhr mit Festivalrückblicken zu Wort.

Buch-Dokumentation

Außerdem dokumentiert ein Buch das halbe Festival-Jahrhundert: "kurz + klein. 50 Jahre Internationale Kurzfilmtage Oberhausen" (Verlag Hatje Cantz, Ostfildern; 19,80 Euro). Die Beiträge stammen unter anderem von Festivalgründer Hilmar Hoffmann, von Peter Handke, Alexander Kluge, Enno Patalas und Wolfram Siebeck.(APA/AP/dpa)

Share if you care.