Ferrero-Niederlage: Schüssel vermeidet Schuldzuweisungen

27. April 2004, 18:33
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Kanzler versteht Strasser-Kritik an FPÖ-Wahlempfehlung nicht und übernimmt persönliche Verantwortung für Nominierung der Außenministerin - NÖ-Landeschef Pröll hakt nach: "Es muss noch einiges gesprochen werden"

Wien - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat am Dienstag nach dem Ministerrat jegliche Schuldzuweisungen bezüglich der Niederlage von Benita Ferrero-Waldner bei der Bundespräsidentenwahl vermieden. Bei Niederlagen gebe es Fragen, die sich jeder zu stellen habe, nicht nur ein Land, so der VP-Obmann zu den gegenseitigen Schuldzuweisungen innerhalb der VP-Landesorganisationen. Die Meinung von Innenminister Ernst Strasser (V) wonach die indirekte Wahlempfehlung der Freiheitlichen für Ferrero-Waldner kontraproduktiv gewesen sei, teilt Schüssel nicht.

Freude über jede Unterstützung

Der Kanzler betonte, er habe sich über jede Unterstützung gefreut, egal aus welcher Ecke auch immer. Dass das Ja der Freiheitlichen zu Ferrero-Waldner der Außenministerin geschadet habe, sehe er "ganz und gar nicht so": "Das hat ganz sicher nicht geschadet", verwies Schüssel auch auf den Sieg der VP-Kandidatin im freiheitlichen Kärnten.

Persönliche Verantwortung Schüssels

Für die Nominierung Ferrero-Waldners übernahm Schüssel persönlich die Verantwortung: "Es war mein Vorschlag. Ich stehe dazu, ich glaube es war ein richtiger Vorschlag." Am Ende seien es eben 200.000 Stimmen zu wenig gewesen. Der Schlüssel dazu war nach Ansicht die Kanzlers die geringe Wahlbeteiligung. Auch hat seiner Meinung nach möglicherweise eine Rolle gespielt, dass viele Österreicher Ferrero-Waldner weiter gerne als Außenministerin gesehen hätten, bei Fischer aber gewusst hätten, dass dieser im Fall einer Niederlage in Pension gegangen wäre.

Zum Schweigen des niederösterreichischen Landeshauptmannes Erwin Pröll und der stetigen Kritik dessen Landesparteisekretärs am Wahlkampf der Wiener Partei und der FPÖ äußerte sich Schüssel zurückhaltend. Dazu könne man ihn besser morgen nach dem ÖVP-Vorstand fragen. Mit Pröll habe er bereits gesprochen. Auf die Frage nach dem Worüber meinte Schüssel nur: "Das, was wir zu bereden hatten."

Der Kanzler bestritt am Dienstag des Pressefoyer solo, da Vizekanzler Hubert Gorbach wegen einer Auslandsreise verhindert war. Auch zahlreiche andere Minister wie Innenminister Strasser oder Landwirtschaftsminister Josef Pröll nahmen an der Besprechung nicht teil. Diese dauerte dann letztlich auch keine zwanzig Minuten.

Für Pröll muss "einiges gesprochen werden"

Für Landeshauptmann Erwin Pröll (V) ist klar, dass nach der Niederlage von Benita Ferrero-Waldner bei der Präsidentenwahl "einiges gesprochen werden muss". Er werde das allerdings "nach innen tun", sagte der VP-NÖ-Landeschef am Dienstag in seiner ersten Reaktion auf den Wahlsonntag zum ORF NÖ. Er war auf dem Weg in die Sitzung der Landesregierung

Zu Vorwürfen des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider (F), die Volkspartei NÖ habe zu wenig für Ferrero-Waldner getan, meinte Pröll: "Ich glaube, der (Haider, Anm.) kommt in Kärnten nicht zurecht, geschweige denn, dass er sich in Niederösterreich auskennt." (APA)

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    Schüssel nach der Ferrero-Niederlage: "Es war mein Vorschlag. Ich stehe dazu, ich glaube es war ein richtiger Vorschlag."

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