Artenhandel und erweiterte EU-Außengrenzen

30. April 2004, 18:18
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WWF befürchtet mehr gefährdete Tier- und Pflanzenarten am Markt

Wien - Zusammen mit TRAFFIC (Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) Europa veröffentlichte der WWF am Dienstag den Bericht "Erweiterte Außengrenzen: Neue Herausforderungen für die Kontrolle des Handels mit gefährdeten Arten in der EU". Die beiden Organisationen befürchten vor allem, dass mit der EU-Erweiterung wieder mehr gefährdete Tier- und Pflanzenarten in den bestehenden EU-Ländern auf den Markt kommen.

Anlass dazu geben die unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen zum Handel mit gefährdeten Arten in den bestehenden und zukünftigen EU-Ländern. Der WWF und TRAFFIC fordern deshalb Verbesserungen der Koordination und Kooperation zwischen den 25 Ländern um den illegalen Handel von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einzudämmen.

Transitländer

Schildkröten, Papageien, Schlangen, Eidechsen, Orchideen, u.v.m. stehen auf der Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Der Bericht belegt, dass die Beitrittskandidaten eine große Rolle beim internationalen Handel mit wild lebenden Arten spielen und auch als Transitländer für die Einfuhr aus Asien, Afrika und Südamerika auf den europäischen Markt dienen. Vom Jahr 2000 bis 2002 etwa wurden mehr als tausend gefährdete Kleinmann Schildkröten nach Polen und Malta geschmuggelt.

Die EU-Beitrittskandidatenländer gehören zu den Weltmeistern beim Im- und Export von seltenen Tieren und Pflanzen. So war die Tschechische Republik 1999 Spitzenreiter beim Handel mit den am stärksten bedrohten Papageienarten.

Neue EU-Außengrenzen als Herausforderung

Bulgarien und Rumänien exportierten 1999 fast vier Tonnen Beluga - das entspricht mehr als einem Viertel des gesamten Welthandels. Auch für die Medizin gelangen Arten auf den Markt: aus Bulgarien und Rumänien werden die meisten unserer Heilpflanzen exportiert und aus der Türkei kommen rund 80 Prozent aller weltweit gehandelter Blutegel. Werde nichts gegen diesen Schmuggel unternommen, so laufe die EU Gefahr, ein Zentrum für die illegale Ein- und Ausfuhr von wild lebenden Tieren, Pflanzen und von deren Produkten zu werden.

Das Artenschutzprogramm TRAFFIC (Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) wurde 1976 von WWF und IUCN gegründet und ist heute ein weltweites Netzwerk mit Hauptsitz in Cambridge, Großbritannien. Mit der Unterstützung des Lebensministeriums informiert in Österreich der WWF über den illegalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. (red)

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