Ganz Malta ist ein Museum

17. Mai 2005, 14:32
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Tempel, Höhlen und Mdina - seit 7000 Jahren am Schnittpunkt großer Kulturen

Valletta - Wenn es um Kultur geht, leidet das kleinste EU-Land nicht gerade an mangelndem Selbstbewusstsein. "Nirgendwo sonst gibt es so viele geschichtliche und kulturelle Denkmäler pro Quadratkilometer wie in Malta", heißt es auf dem Archipel südlich von Sizilien. Steinzeitliche Tempel gleich reihenweise, prähistorische Höhlen mit bisher ungelüfteten Geheimnissen und dazu noch die arabische Altstadt Mdina: Die beiden Hauptinseln Malta und Gozo haben in der Tat einiges zu bieten. Einige Tempel, Ziel von rund einer Million Touristen pro Jahr, sind älter als Stonehenge oder die ägyptischen Pyramiden.

Auf 7000 Jahre Geschichte blickt Malta zurück. Phönizier, Karthager, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen, Kastilier, der Johanniterorden und in neuester Zeit auch die Franzosen und Briten waren zeitweise die Herren. Immer schon lag es am Schnittpunkt großer Kulturen - ausschließlich europäisch fühlten sich die Menschen auf dem Eiland nie.

Weltkulturerbe: Tempelanlage Hypogäum

Eine der geheimnisvollsten Sehenswürdigkeiten wurde erst unlängst nach langer Renovierung wieder eröffnet: Die unterirdische Tempelanlage Hypogäum. In Wahrheit handelt es sich um ein wahres Tempellabyrinth, 5000 Jahre alt und erst 1902 wieder entdeckt. Im Inneren der Kultstätte wurde die "Schlafende Dame" gefunden, eine zwölf Zentimeter lange Tonstatuette einer Frau, die heute im Archäologischen Museum von Valletta zu sehen ist. Wie mehrere andere Denkmäler Maltas, zählt auch das Hypogäum zum Weltkulturerbe der Vereinten Nationen.

Sanktuarium von Hagar Qim

Mehr als 2000 Jahre bevor die Akropolis in Athen gebaut wurde, entstand das Sanktuarium von Hagar Qim. Die gigantischen, tonnenschweren und quadratischen Steinblöcke haben geschickte Handwerker in Maßarbeit behauen und penibel zusammengefügt. Das Meisterwerk zählt ebenfalls zu einem Höhepunkt für kulturinteressierte Touristen. Die Fassade gilt als die großartigste der fünf Steinzeittempel des Archipels.

Gozo: Tempel von Ggantija

Ein weiteres Highlight auf der Insel Gozo ist der Tempel von Ggantija mit seinen mehr als sechs Meter hohen Außenmauern. In dem Heiligtum, auf ein Alter von 3600 Jahren geschätzt, soll sehr wahrscheinlich eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt worden sein. Auf Gozo befindet sich auch die Calypso-Höhle. Gozo soll mit jener Sagen umwobenen Insel Ogygia identisch sein, auf der Homer seinen Helden Odysseus sieben Jahre in der Grotte der schönen Nymphe schmachten ließ.

Mdina

Aus einer anderen Zeit ist dagegen die Mdina, die ehemalige mittelalterliche Hauptstadt Maltas, die mit ihren Kuppeln und Türmen noch heute über der Insel thront. Die Araber, die im 9. Jahrhundert kamen, umgaben die Stadt mit einer Mauer, die noch heute zu sehen ist. Nach den Arabern prägte vor allem der Johanniterorden die Stadt. Enge Gassen, Häuser mit kleinen Fenstern, um die Sonne abzuhalten - Mdina ist nicht nur eine der reizvollsten Etappen für die Touristen. Es ist zugleich Symbol für die wechselvolle Geschichte des Archipels zwischen Abendland, Afrika und Morgenland. (APA)

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    Mdina, die ehemalige mittelalterliche Hauptstadt Maltas, die mit ihren Kuppeln und Türmen noch heute über der Insel thront

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