Eine Ode an die Suppe

27. April 2004, 22:38
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Suppe ist super, sie ist der Höhepunkt der Nahrungsaufnahme, und früher oder später werden wir alle nur mehr Suppe essen, ...

Unlängst – mein virtuoser Zahnarzt hatte vier meiner mürben Zähne mit provisorischen Füllungen ausgestattet, die zwar verhinderten, dass spitze oder toxische Gegenstände tiefer ins Zahn-Innere eindrangen, das Beißen aber auch nicht gerade zur wahren Freude machten – sah ich mich mit der Situation konfrontiert, von nun an vielleicht nur mehr Suppe zu essen.

Blöd, klar, weil so ein herzhafter Biss ins gebratene Fleisch oder ins saftige Brot oder in die krachende Rübe oder in sonst was, was fester als Brei ist, ja schon viel Vergnügen bereitet, nur wenn’s halt nicht mehr ist mit dem Beißen, dann halt nicht. Schließlich hat die Suppe ja äußerst viele Vorteile, dacht ich so bei mir, von den geschmacklichen einmal ganz abgesehen:

Suppe kann man verdammt schnell zu sich nehmen, also quasi trinken, und Zeit ist bekanntlich Geld, Suppe macht mich also reich.

Außerdem ist die Suppe die einzige Mahlzeit, die mit dem Löffel über ein eigenes, ausschließlich für sie konstruiertes Besteck verfügt (das sich auch einer gewissen Popularität und Verbreitung erfreut, ja klar, selbstverständlich gibt es Hummerzangen ...), was ihr somit eine gewisse Souveränität vermittelt.

In diesem Zusammenhang: Mit einem guten Mixer kann man eigentlich so ziemlich alles zu Suppe machen, und mein Mixer heißt Hobarth und ist ein verdammt guter Mixer, muss ich schon sagen (wer mir da jetzt unlautere Motive unterstellen will, soll ruhig, mir egal, ich hab meinen Hobarth lieb und nichts außer ein mechanischer Defekt oder sein eigenartiger Tick, vor allem sehr heiße Suppe explosionsartig an die Decke drücken zu wollen, werden uns jemals trennen können). Ein guter Mixer muss also sein, in guten und in schlechten Tagen.

Suppe macht außerdem schön. Ich bin mir sicher, dass Schlürfen zu einer attraktiveren Gesichtsform, Kiefermuskulatur und Lippen-Befindlichkeit führt als diese massiven und ordinären Kau-Bewegungen, Suppe-Essen kann sehr sinnlich sein, irgendwer sagte mir einmal, dass Suppen-Freunde die bessere Liebhaber seien, und das wollen wir da jetzt einmal im Raum stehen lassen.

Suppe lässt sich darüber hinaus schön und beliebig portionieren, ist in gewisser Hinsicht auch gut zu transportieren, Suppe besitzt eine ganz eigene Wärmespeicher-Dynamik (soll heißen, sie bleibt auf ewig heiß und wird nie genießbar kühl), Suppe gibt es dick und dünn, kalt und heiß, in allen Farben und in tausenderlei Arten, ach von Suppe kann man schon leben, und nicht mal schlecht, dacht’ ich mir ...

Nun, meine Zähne sind jetzt jedenfalls alle wieder ziemlich in Ordnung. Und wenn ich brav und fleißig bin, werde ich mich mir ein schönes Essen auch sicher wieder einmal leisten können. Monogam wird meine Beziehung zur Suppe jetzt also die nächsten Jahre wohl hoffentlich doch nicht werden, um wahre Liebe handelt es sich aber auf jeden Fall.

Von
Florian Holzer
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