Israel beschwert sich über UNO-Gesandten Brahimi

28. April 2004, 09:52
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Offizieller Protest über Darstellung der israelischen Politik als "großes Gift" im Nahen Osten

New York - Israel hat bei den Vereinten Nationen offiziell Protest gegen den UNO-Irak-Gesandten Lakhdar Brahimi eingelegt. Brahimis Äußerungen in der vergangenen Woche, Israel sei das "große Gift" im Nahen Osten, ließen Zweifel an der Objektivität und Unparteilichkeit der Weltorganisation aufkommen, erklärte der israelische UNO-Botschafter Dan Gillerman am Montag in New York.

Brahimi hatte am vergangenen Mittwoch in einem Interview des französischen Rundfunksenders France Inter gesagt, die israelische Politik gegenüber den Palästinensern erschwere seine Bemühungen, eine Übergangsregierung für Irak zu etablieren. "Es gibt keinen Zweifel, dass das große Gift in der Region die israelische Politik der Herrschaft ist und das Leiden, das den Palästinensern zugefügt wird", sagte Brahimi. Die ungerechte Politik Israels werde ebenso ungerechterweise von den USA unterstützt.

UNO-Sprecher Fred Eckhard hatte am Freitag versucht, die Vereinten Nationen von diesen Äußerungen zu distanzieren. Brahimi habe seine persönliche Ansicht geäußert; UNO-Generalsekretär Kofi Annan habe das Wort "Gift" nie in seiner Amtszeit verwendet. Annan teilte am Montag mit, er habe mit Brahimi über den Vorfall gesprochen und werde, da dieser nun in New York sei, "das Gespräch fortsetzen".

Brahimi, ein ehemaliger algerischer Außenminister, hatte am Freitag seine Kritik an Israel im US-Sender ABC wiederholt. Er hatte diese aber als Zusammenfassung der herrschenden Meinung in der arabischen Welt dargestellt. "Ich denke, es ist unstrittig in der arabischen Welt, und tatsächlich auch in großen Teilen des Rests der Welt, dass die israelische Politik falsch, brutal, repressiv ist und dass sie nicht an Frieden interessiert ist, was immer ihr in Amerika glauben mögt", sagte er.

Gillerman rügte, Brahimi habe Israel in eindeutig einseitiger Weise kritisiert. Er sei darüber bestürzt. Es sei höchst angemessen für einen ranghohen UNO-Vertreter, ein Mitgliedsland in einer derart ungerechten und scharfen Form anzugreifen. Israel fordere Annan auf, Brahimi auf sein Fehlverhalten hinzuweisen und sicherzustellen, dass UNO-Beamte künftig die Anforderungen der Objektivität entsprechend der UN-Charta erfüllten. (APA/AP)

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