Gutachter ignorierten Schizophrenie

28. April 2004, 09:30
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Kremser saß nach einem Mord 20 Jahre in Haft

Wien/Krems - 20 Jahre saß ein Kremser nach einem Mord in Haft, ehe er vor über zehn Jahren bedingt entlassen wurde. Nun stand er wieder vor dem Richter - und der wies ihn, nicht rechtskräftig, in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ein. Denn der Angeklagte leidet an paranoider Schizophrenie, was offenbar im ersten Prozess ignoriert worden ist.

Als "Würger von Krems" bezeichnete sich der heute 54-Jährige selbst, nachdem er 1971 verhaftet worden war. Er hatte im Friseursalon seiner Mutter ein 16-jähriges Lehrmädchen mit einer Schere erstochen. Das Gericht hielt ihn damals für zurechnungsfähig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.

Tabletten

Im Gefängnis bemerkte man zwar seine Erkrankung und behandelte ihn mit Tabletten, trotzdem hatten zwei anerkannte Sachverständige, ein Psychiater und ein Psychologe keine Einwände gegen seine Entlassung.

Tatsächlich fiel der Betroffene eine Zeit lang nicht mehr auf, bis er im Jahr 2003 einen Nachbarn bedrohte. Im neuen Prozess wurde ein neues Gutachten über den Geisteszustand des Mannes erstellt - mit einem völlig anderen Ergebnis. Der 54-Jährige leide seit der Pubertät an paranoider Schizophrenie und habe jeden Realitätsbezug verloren.

So höre er immer wieder Stimmen und fühle sich von seiner Umwelt bedroht. Schon seit längerem soll er nächtens immer wieder wolfsartig geheult und seine Wohnungseinrichtung zertrümmert haben. (APA, moe, Der Standard, Printausgabe, 27.04.2004)

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