Am Lugeck droht Sesselparcours

28. April 2004, 20:40
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Pünktlich zu Saisonstart Debatte und Verhandlung um Schanigärten

Wien - "Jetzt weiß i' schon bald nimma, wo ich hinsteigen soll", empört sich eine alte Dame beim Anblick des Platzes Am Lugeck. Vor ihr stehen Baumaschinen, es wird asphaltiert. Neben ihr stehen Dutzende Tische und Sessel. Ein Eissalon hat draußen alles bereit für die Gäste, die etwas Kühles wollen. Weiter hinten Am Lugeck steht die Gutenberg-Statue - umrundet von Tischen und Sesseln eines Cafés, das seinen Sitz ums Eck hat. Das bisserl Platz, das von dem Platz noch übrig bleibt, ist parkenden Autos gewidmet. Die Dame muss ganz außen das Lugeck umrunden, um in die Bäckerstraße zu gelangen, und abermals einen Sesselparcours bewältigen.

Ron Schmutzer von den Grünen im ersten Bezirk kündigt eine "Revolution" gegen den Sesselwuchs Am Lugeck an. Andere Wirte und Geschäftsinhaber formieren sich zum Protest, sagt er. Der Schanigarten des Eissalons werde immer größer.

Manche Wirte haben einen und andere eben nicht

Johann Schorsch, Amtsleiter im Bezirksamt der Inneren Stadt, ist derlei Diskussionen gewöhnt. Das sei das übliche Problem: Manche Wirte haben einen und andere eben nicht. Die Eissalonbetreiber hätten Glück, das Geschäft sei in der Fußgängerzone, daher sei der Schanigarten erlaubt worden. In der benachbarten Bar ist man ohne einen solchen, weil die Bar ein paar Meter hinter der Fußgängerzone liegt, der Gehsteig für das Aufstellen von Tischen und Sesseln als zu schmal erachtet wurde.

Dass der Schanigartenbetrieb des Eissalons im Laufe der Jahre größer geworden ist, liest auch Schorsch aus den Akten heraus. Vor ein paar Jahren noch 70 Quadratmeter in der Fläche, sei er jetzt 173,92 Quadratmeter groß. Aber man habe sich unter Geschäftsleuten und als Bezirksvertreter geeinigt, dass die Anlage in ihrer jetzigen Form akzeptabel sei.

Wieder einmal ist im ersten Bezirk die Debatte über jene Schanigärten entbrannt, in die sich alle so gern bei Eis oder Melange niederlassen, aber keiner will die Sessel im Weg haben, wenn er vor den Schaufenstern flaniert. Kärntner Straße oder Graben sind die am dichtesten mit Sesseln und Tischen verstellten Zonen. Die Wirte argumentieren, dass ohne Schanigärten ihr Geschäft in der warmen Jahreszeit zusammenbreche.

Verhandlungen

Für Verhandlungen zur Lösung der Schanigarten-Debatte liegt ein Vorschlag der Stadt Wien auf dem Tisch, der noch in dieser Woche mit der Wirtschaftskammer verhandelt wird. Der Vorschlag sieht drei Zonen vor: Innere Stadt, zwischen Gürtel und Ring, Gürtel außerhalb. Je näher zur Innenstadt ein Schanigarten beantragt wird und je besser die Lage ist, desto mehr Gebühren sollen Wirte dafür zahlen. In den Außenbezirken kämen die Anlagen vergleichsweise billig. So will man steuernd in den Wildwuchs von Schanigärten eingreifen. Diskutiert wird, ob die Sperrstunde allgemein mit 24 Uhr festgelegt wird, in manchen Zonen gilt jetzt 22 Uhr. Anrainer fürchten um die Nachtruhe. (aw, Der Standard, Printausgabe, 27.04.2004)

  • Sesselparcours im 1. Bezirk
    der standard/cremer

    Sesselparcours im 1. Bezirk

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