Zirkuspferde verlassen Manege

27. April 2004, 22:08
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Im Haus am Parkring gehen die Lichter im Benita-Büro aus

Am einfachsten hat es Kurt Bergmann. Gefragt, was er nach geschlagener - und aus seiner Sicht verlorener - Bundespräsidentschaftswahl tun wird, antwortet der Leiter des Personenkomitees von ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner mit einem herzhaften Lachen: "Nix. Ich bin Pensionist, der nur kurzfristig im Wahlkampf aktiv war. Als altes Zirkuspferd habe ich die Trompete gehört und sofort in die Arena galoppieren müssen."

Am Tag nach der Wahl ging's zuerst zum Friseur, dann ins Büro, Schreibtische und Kästen ausräumen, Bilder abhängen und Dankbriefe an die Komiteemitglieder verschicken. Und schon demnächst will Bergmann "ein bisschen Golf spielen und mich um meine sieben Enkel kümmern". Linkischer Zusatz: "Und wenn sich irgendetwas Lustiges ergibt, ist vieles möglich." Nur kein Comeback in die Politik. "Das reizt mich nicht."

Die Wahlniederlage erklärt er auch damit, dass der "Faktor Frau wirklich einen Unterschied macht, vor allem bei konservativen Frauen und Männern". Motto: "Es ist ja viel vorstellbar, aber eine Frau als Bundespräsident geht zu weit." Die neue Wirkungsstätte von Wahlkampfleiter Florian Krenkel wird seine alte sein. Am Wochenende reist Krenkel zurück nach Vaduz, wo er am Hof von Fürst Hans-Adam seinen Job als "persönlicher Berater des Fürstenhauses von und zu Liechtenstein" wieder antritt. In Vorarlberg legt der Exsprecher von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel noch einen Zwischenstopp zum Skifahren ein.

Krenkels nächstes Projekt ist vergleichbar mit dem letzten: Eine Amtsübergabe vorbereiten - diesmal ohne Unwägbarkeiten. Erbprinz Alois wird im August neues Staatsoberhaupt: "Ein Generationenwechsel. Den hätten wir hier auch gebraucht." - und in den drei Ländern Nieder- und Oberösterreich sowie der Steiermark nur um je ein Prozent mehr Stimmen für Benita, dann hätte sie gewonnen, sagt Krenkel.

"Sie" war Montag schon wieder als Außenministerin in Luxemburg. Auch die Wahlkampfhelferinnen Astrid Harz und Andrea Krametter, Exsprecherin von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, jetzt in der Entwicklungshilfeabteilung, gehen zurück ins Außenamt.

Der/die Letzte macht heute, Dienstagabend, das Licht im Benita-Büro aus. (nim/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2004)

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