Auf dem Weg zur Lärmregion Ost

28. April 2004, 21:51
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Im Jahr 2010 würden in Niederösterreich laute Lkw um eineinhalbmal mehr Menschen als heute stören - Mit Grafik

Wien/St. Pölten/Eisenstadt – Noch gehe den Verkehrsplanern im Osten – im Unterschied zu jenen im transitgeplagten Westen – "die Sensibilität für das Lärmproblem ab", meint Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Die kommenden Jahre mit ihren prognostizierten Steigerungen des Lkw-Verkehrs in und aus den EU-Erweiterungsländern würden Experten wie Bewohner aber eines Lauteren belehren.

Bis 2010 – so Gratzer – werde die Zahl der durch Lkw- Lärm Belästigten in Wien um 75 Prozent steigen: Von derzeit 410.000 auf 560.000 Betroffene. Im Burgenland würden sich dann – statt derzeit 39.000 Menschen – 69.200 Menschen durch laute Autos und Lkw in ihrer Ruhe gestört fühlen: ein Plus von immerhin 113 Prozent.

Verkehrslärmlawine in Niederösterreich

Am größten jedoch werde die Verkehrslärmlawine in Niederösterreich sein: von – heute – 320.000 auf 595.000 durch Motorengebrumm, Bremsengequietsche und das durchdringende Alarmgepiepse der Lkw bei Ein- oder Ausladevorgängen beeinträchtigte Menschen. Menschen, die im Fall von Dauerbelastung mit Gesundheitsproblemen zu rechnen hätten: mit Verdauungsstörungen, Problemen der Blutdruckregulation und des Schlafes, wie Lärmforscher aufzählen.

Die zunehmende Lärmverschmutzung rund um Wien stehe und falle mit dem "Bau der Nordautobahn, wie er bisher geplant ist", betont Gratzer. Die Straßenverbindung zwischen Wien und Tschechien nämlich werde zusätzliche Brummis auf den Weg bringen: Bis zum Jahr 2035 um dreimal mehr als derzeit, wie die unlängst präsentierte Studie über "Mobilitätsszenarien im Raum Wien" des Instituts für Verkehrswesen ergab.

Dieses Verkehrsplus müsse aber nicht zwangsläufig mit mehr Lärmgeplagten einhergehen, widerspricht Christian Popp aus der NÖ-Abteilung Verkehrsangelegenheiten. Gerade entlang neuer Straßen wie der A5 sei der Lärmschutz "Teil der Planung".

Wobei die Palette möglicher Maßnahmen von "Schutzwänden" bis zu "Eindeckelungen" reiche. Mit dem Ziel, die Lärmbelastung der Bewohner von durchschnittlich 75 Dezibel, wie sie "normalem Verkehrslärm" zugeschrieben werden, auf 45 Dezibel nachts, 55 Dezibel bei Tag zu senken.

44 Ausbauprojekte

Überhaupt, so Popp, werde die Zahl Lärmbelästigter bis 2035 durch Straßenwände und -deckel sinken: um ein bis zwei Prozentpunkte. Derzeit sind 29 Prozent der Wohnbevölkerung bundesweit betroffen. Die Verbesserungen sollen jedenfalls wirksam werden, trotz massiver Begehrlichkeiten der Straßenplaner der Ostregion, die in einem Workshop 44 Ausbauwünsche bis 2035 auflisteten.

Die umstrittene Donaubrücke bei Traismauer befindet sich ebenso unter ihnen wie etwa eine hochrangige Straße durch das Marchfeld (siehe Grafik). Sowie die Spange Kittsee Richtung Bratislava im Nordburgenland, die sich – im Unterschied zu den beiden anderen Projekten – schon in konkreter Planung befindet. Die Umweltverträglichkeitsprüfung des 175-Millionen- Euro-Projekts wurde vor wenigen Tagen positiv abgeschlossen, nun wartet man in Eisenstadt auf die Trassenverordnung aus dem Infrastrukturministerium. (bri, Der Standard, Printausgabe, 27.04.2004)

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    Bis 2010 wird die Zahl der durch Lkw- Lärm Belästigten in Wien um 75 Prozent steigen

  • Straßenprojekte in der Ostregion bis 2035
    grafik: standard

    Straßenprojekte in der Ostregion bis 2035

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