Frantschach: Mondi zahlte 320 Millionen Euro für restliche 30 Prozent

29. April 2004, 19:40
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Hälfte des Kaufpreises in Anglo American-Aktien - Vertreter der bisherigen Eigentümerfamilie bleibt im Aufsichtsrat

Wien - Die zur britisch-südafrikanischen Anglo-American gehörende Mondi-Gruppe hat 320 Mio. Euro für die restlichen 30 Prozent an der Frantschach AG gezahlt, die Hälfte davon in Aktien der Anglo American, den Rest in bar. Dies bestätigte Michael Kaufmann, Sprecher der bisherigen Miteigentümerfamilie bei der Frantschach-Bilanzpressekonferenz am Montag.

Die Familie will den Bar-Erlös von etwa 160 Mio. Euro etwa zu gleichen Teilen in Immobilien, Finanzanlagen und Beteiligungen investieren. Weitere Details wollte Kaufmann keine nennen. Die mit Aktien abgegoltene Hälfte des Kaufpreises entspricht etwa 0,5 Prozent des Börsewerts der Anglo American.

Einstieg 1992

Mondi Paper war 1992 mit zuerst 44 Prozent an der Frantschach eingestiegen, die damals noch in reinem Familienbesitz war (Familie Hartmann). 1996 erhöhte die Mondi diesen Anteil auf 50, im Jahr 2000 auf 70 Prozent. Per 5. April sind nun die restlichen 30 Prozent an den internationalen Konzern übergegangen.

Kaufmann, seit vielen Jahren Aufsichtsratspräsident der Frantschach (1,9 Mrd. Umsatz, 9.300 Mitarbeiter), wird weiter im Kontrollgremium des Unternehmens bleiben, dürfte bei der nächsten Hauptversammlung im März 2005 aber den Spitzenposten abgeben. Die Familie Kaufmann kontrolliert über die HKW, eine der größten Privatstiftungen des Landes, sowie die Frapag Immobilienholding einen beträchtlichen Realitäten-Besitz im In- und Ausland (USA).

Veit Sorger an IV-Spitze

Mit Frantschach-Vorstandschef Veit Sorger, der im nächsten Juni an die Spitze der österreichischen Industriellenvereinigung (IV) gewählt werden dürfte, rückt zum erstenmal ein Manager eines nicht-österreichischen Unternehmens an die Spitze der Vereinigung der Österreichischen Industrie, wie der offizielle Name der IV lautet.

"Das soll keine Rolle spielen, wir müssen froh sein, Auslandskapital zu bekommen", meinte Sorger, auf das Thema angesprochen. Die Frantschach Gruppe, die in den vergangenen 15 Jahren um das beinahe Zehnfache gewachsen ist, hätte dies ohne die Unterstützung eines erfolgreichen internationalen Konzerns nicht erreichen können.

Sorger wollte im Übrigen nur die Kandidatur für den IV-Spitzenposten bestätigen. Für den amtierenden IV-Präsidenten Peter Mitterbauer ist Sorger als Nachfolger freilich bereits so gut wie fix.

Ergebnis 2003 hielt Marktflaute stand

Die Frantschach-Gruppe hat trotz flauem Markt und schwachem Dollar 2003 das Vorjahresniveau halten können. "Ich habe noch keine Zeit erlebt, in der wir so massiv Maschinen abgestellt haben", meinte Frantschach-Vorstandschef Veit Sorger bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am Montag. Frantschach hat 2003 seinen Umsatz um zwei Prozent auf 1,93 Mrd. Euro gesteigert, das Betriebsergebnis (EBIT) erreichte mit 179 Mio. Euro den Wert 2002.

Der heute weltweit größte Erzeuger von Sackpapieren und Papiersäcken, hat im vergangenen Jahr acht Unternehmen gekauft bzw. neu gegründet und will auch heuer wieder akquirieren - wenn auch mit gebremstem Tempo. Schwerpunkt soll 2004 die Integration der in Nordamerika erworbenen neuen Märkte sein, sagte Sorger. Frantschach hatte Ende vergangenen Jahres ein Werk in Chicago und vier Fabriken in Mexiko erworben. Auch China, wo die Gruppe bereits ein Werk in der Nähe von Hongkong besitzt, "bleibt im Fokus. Aber man kann nicht alles auf einmal machen." Eigentlich hätte aber schon 2003 ein "Jahr der Konsolidierung" werden sollen, meinte Sorger.

Größtes Potenzial in kleinster Division

Das längerfristig größte Wachstumspotenzial ortet Frantschach in der bisher kleinsten Division, jener für flexible Verpackungen, die innovative Produkte für die Konsumgüterindustrie erzeugt (2003: 211 Mio. Euro Umsatz, 1.300 Mitarbeiter). "Wir sind am Ende der Kostenmaßnahmen angelangt, eine weitere Entwicklung ist nur über Akquisitionen oder Innovationen möglich", sagte der Konzernchef. Um neue innovative Angebote zu schaffen, hat Frantschach allein 2003 mit 20 Mio. Euro vier Firmen gegründet, die sich mit der Entwicklung von Verpackungsinnovationen beschäftigen.

Für die Baustoffhersteller hat Frantschach zuletzt einen neuen Papiersack auf den Markt gebracht, der stark genug ist, um mit einer einzigen Papier-Schicht auszukommen. Die Sackverarbeitung stellte im vergangenen Jahr 2,7 Mrd. Industriesäcke her (558 Mio. Euro Umsatz, 3.100 Mitarbeiter). Der Erzeugung von Kraftpapier widmet sich die größte Konzern Division, Pulp & Paper (664 Mio. Euro Umsatz, 2.200 Mitarbeiter). Sie litt im vergangenen Jahr am Preisverfall an den Märkten. Die Coating-Division (beschichtete Verpackungsmaterialien) setzte 2003 mit 750 Mitarbeitern 241 Mio. Euro um.

Insgesamt beschäftigt die Frantsch-Gruppe an 85 Standorten 9.300 Mitarbeiter. Zusammen mit den ebenfalls in Wien sitzenden "Mondi-Schwestern" (Neusiedler, Mondi Packaging) steuert der südafrikanische Konzern aus Österreich 35.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 3,7 Mrd. Euro. (APA)

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