Unerwarteter Ifo-Anstieg spricht für Konjunkturerholung

27. April 2004, 15:23
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich auf - Ölpreis löst Euro als Hauptrisiko für Konjunktur ab

Berlin - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend wieder aufgehellt und weist damit weiter auf eine Konjunkturerholung hin.

Die für den Ifo-Index befragten Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage so gut wie seit drei Jahren nicht mehr. Ihre Zukunftserwartungen schraubten sie allerdings den dritten Monat in Folge zurück.

Der Ifo-Index stieg auf 96,3 von 95,4 Punkten, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag mitteilte. "Die neuen Umfrageergebnisse lassen auf eine weitere, wenn auch moderate Konjunkturerholung schließen", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Von einem gefestigten Aufschwung kann aber noch nicht gesprochen werden."

Analysten sind erleichtert

Analysten äußerten sich erleichtert: "Wichtig ist, dass der Ifo damit nicht zum dritten Mal gefallen ist und so kein offizielles Abschwungsignal vorliegt", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management.

Auch die deutsche Regierung sprach von einem positiven Zeichen. "Das ist eine Bestätigung der Erwartung der Bundesregierung, dass wir eine weitere, wenn auch moderate Konjunkturerholung haben", sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Volkswirte hatten im Schnitt angesichts zuletzt mäßiger Konjunkturdaten mit einem Rückgang auf 95,1 Zähler gerechnet, was nach einer Faustformel eine erneute Abschwächung der Konjunktur angezeigt hätte. Die deutschen Standardaktien bauten ihre Tagesgewinne dank des Ifo-Index etwas aus.

Volkswirte hatten bereits zuvor betont, dass derzeit für die Konjunkturaussichten die Urteile zur gegenwärtigen Lage entscheidend seien. Der Ifo-Teilindex zur Lageeinschätzung stieg mit 94,9 Punkten auf den höchsten Stand seit drei Jahren.

"Zusätzliches Signal"

"Das ist ein zusätzliches Signal, dass sich die deutsche Wirtschaft allmählich beleben wird", sagte Jan-Paul Ritscher von der HSH Nordbank. "Der Rückgang bei den Erwartungen ist daher auch kein Beinbruch, hier kehrt der Realismus bei den Unternehmen zurück." Der Erwartungs-Teilindex sank um einen Punkt auf 97,8 Zähler.

Nach Angaben des Ifo erholte sich das Geschäftsklima im Einzel- und Großhandel sowie im verarbeitenden Gewerbe, schwächte sich im Bau aber ab. "Zu den positiven Umfrageergebnissen im April gehört die weitere Verbesserung der Exporterwartungen in der Industrie", erklärte Ifo-Chef Sinn.

Ölpreis dämpft

Nach Ansicht von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb könnte der steigende Ölpreis die Zuversicht der Firmen gedämpft haben. Ob in den kommenden Monaten die für den Export günstige Abwertung des Euro den höheren Ölpreis ausgleichen kann, sei noch offen, sagte Nerb der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Chef des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, äußerte sich dazu skeptisch. Der schwächere Wechselkurs werde die Probleme nicht lösen, weil sich Energie verteuere.

Die Stärke des Euro, der zu Jahresbeginn Rekordstände markiert hatte, galt lange als das Hauptrisiko für die deutsche Erholung. Seit sich die Währung aber wieder abgeschwächt hat, rücken teurere Rohstoffe - insbesondere Öl - in den Fokus. Wie Ifo-Chef Sinn betonten auch Bankenvolkswirte, dass die deutsche Wirtschaft anfällig für Rückschläge bleibe.

Konjunkturpessimismus widerlegt

Gleichzeitig widerlegt der Ifo-Index nach Ansicht der meisten Analysten den zuletzt wieder aufkeimenden Konjunkturpessimismus. Doch auf kräftiges Wachstum sollten sich die Deutschen besser nicht freuen. "Technisch gesehen haben wir einen Aufschwung, aber der Grundzustand der deutschen Wirtschaft lässt derzeit keine große Dynamik zu", sagte Ritscher.

Nachdem der Start ins Jahr für die deutsche Wirtschaft überraschend mäßig verlaufen war, haben inzwischen viele Banken und auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für 2004 gesenkt.

Medienberichten zufolge erwarten die Institute nur noch 1,5 Prozent Wachstum, wie es auch Bundesbank-Vize Jürgen Stark für erreichbar hält. Die Regierung geht bisber von 1,5 bis 2,0 Prozent aus, wobei diese Vorhersage Medienberichten zufolge bei der nächsten offiziellen Regierungsprognose auf den unteren Wert festgelegt werden soll. (APA/Reuters)

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