Aventis-Betriebsrat übt scharfe Kritik

27. April 2004, 19:49
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Deutsche Regierung hat versagt - Gewerkschaft fordert Beschäftigungssicherung in Deutschland

Frankfurt/Hannover - Der Aventis-Betriebsrat in Deutschland hat mit scharfer Kritik auf die Einwilligung der Konzernspitze in eine Fusion mit dem Pariser Konkurrenten Sanofi-Synthelabo reagiert. In Belegschaft und Management habe ein "gemeinsames Interesse geherrscht, im Kampf gegen Sanofi aufzustehen", sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Klippel am Montag in Frankfurt.

Er sei "entsetzt, dass das jetzt so schnell ging". Der deutschen Regierung warf Klippel vor, sie habe "versagt, indem sie sich auf die Neutralität zurückzog". Der Aventis-Aufsichtsrat hatte erst nach massiver Intervention der französischen Regierung am Sonntag das nachgebesserte Offert von Sanofi für einen Zusammenschluss gebilligt.

"Schäfchen ins Trockene gebracht"

Offenbar hätten "einige Leute ihre Schäfchen ins Trockene gebracht", sagte Klippel mit Blick auf die fast paritätische Besetzung des Vorstands im neuen Konzern Aventis-Sanofi. Dagegen sei die Zukunft der Arbeitnehmervertretung noch völlig offen. Klippel verlangte Klarheit über das Schicksal der Beschäftigten: Die Aventis-Spitze sei gefordert, eine "schriftliche Erklärung zum Thema Beschäftigungs- und Standortsicherung" vorzulegen.

Für Dienstag kündigte der Betriebsratschef eine Kundgebung im Frankfurter Industriepark Hoechst an, mit der der Forderung nach einem Vertrag zur Beschäftigungssicherung Nachdruck verliehen werden solle.

Furcht vor "verlängerten Werkbank"

Auch die Chemiegewerkschaft IG BCE erklärte, die deutschen Standorte dürften nicht zu einer "verlängerten Werkbank" werden. Ohne Forschung und Entwicklung seien die deutschen Niederlassungen nicht denkbar, erklärten der Vorsitzende der Gewerkschaft, Hubertus Schmoldt, und Vorstandsmitglied Werner Bischoff in Hannover.

Die IG BCE werde alles daran setzen, dass die bei Aventis verankerten Mitbestimmungsrechte auch im neuen Konzern erhalten bleiben. Der in Straßburg ansässige Aventis-Konzern entstand 1999 aus der Fusion der Frankfurter Hoechst AG mit Rhone-Poulenc. Aventis beschäftigt rund 69.000 Mitarbeiter, davon 9.000 in Deutschland. (APA)

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