Brahimi warnt USA vor Einmarsch nach Najaf und Falluja

27. April 2004, 07:12
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Landesweiter Schiiten-Aufstand wäre die Folge - US-Soldaten rücken näher an Najaf heran - Ersatz für abziehende spanische Truppen

New York - Der Irak-Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, hat die US-Streitkräfte vor einem Einmarsch in die beiden belagerten Widerstandshochburgen Falluja und Najaf gewarnt. Es wäre falsch, Panzer nach Najaf zu schicken, betonte Brahimi am Montag nach UNO-Angaben aus New York. "Ich denke, die Amerikaner wissen das sehr gut", fügte der ehemalige algerische Außenminister hinzu. Schiitische Geistliche haben gewarnt, ein Sturm auf Najaf könne einen Aufstand der Schiiten im ganzen Land auslösen. In Najaf, wo sich eine der heiligsten Stätten der Schiiten befindet, hält sich der radikale Geistliche Muktada al Sadr mit den Milizionären seiner "Mahdi-Armee" auf.

Auch in Falluja, dem Zentrum des sunnitischen Widerstands, forderte Brahimi die USA zu einem besonnenen Vorgehen auf. "Wenn man eine Stadt umzingelt, eine Stadt bombardiert, wenn Menschen nicht ins Krankenhaus gehen können, wie nennen Sie das?" sagte Brahimi in einem Interview des Senders ABC und erklärte, ein solches Vorgehen spiele den Aufständischen in die Hände, weil es die Bevölkerung gegen die Batzungstruppen aufbringe. "Wenn sie Feinde dort haben, ist es genau das, was sie von ihnen erwarten."

Chalabi zu Brahimi: "Kein Eingiger des irakischen Volkes"

Der pro-amerikanische irakische Politiker Ahmed Chalabi warf unterdessen Brahimi vor, nicht als "Einiger" des irakischen Volkes aufzutreten. Chalabi reagierte damit auf einen Bericht der "Washington Post", wonach der UNO-Sondergesandte die Mehrheit der Mitglieder des von den USA eingesetzten provisorischen Regierungsrates nicht in der künftigen Übergangsregierung sehen wolle, die am 30. Juni die Amtsgeschäfte übernehmen soll.

S-Soldaten rücken näher an Najaf heran

Die US-Streitkräfte sind am Montag wieder bis auf sechs Kilometer an die irakische Schiiten-Stadt Najaf herangerückt, in der sich der radikale Prediger Muktada al Sadr aufhält. Rund 200 Soldaten übernahmen einen Stützpunkt, um die von dort abziehenden spanischen Truppen zu ersetzen. Die Operation galt als brisant angesichts der Warnung von schiitischen Geistlichen, ein Sturm auf die heilige Stadt könne einen Aufstand der Schiiten im ganzen Land auslösen.

Die USA hatten nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Sadrs Mahdi-Miliz Anfang des Monats verkündet, sie würden sich nach Möglichkeit von Najaf fern halten, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Oberst Paul White erklärte jedoch am Montag, es gehe jetzt darum, die spanischen Soldaten sicher abziehen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass der Stützpunkt nicht zerstört werde. Dieser sei über Nacht von schiitischen Milizionären mit gut 20 Granaten beschossen worden, wobei mindestens ein Soldat aus El Salvador verletzt worden sei.

Der Abzug der 1.300 spanischen Soldaten soll nach Angaben des spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero in den nächsten Tagen beginnen. Eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Madrider Zeitung "El Mundo" bestätigte, dass rund zwei Drittel der Spanier diese Entscheidung unterstützen. Zapateros Vorgänger Jose Maria Aznar warf der Regierung in der Zeitung "ABC" "grobe Verantwortungslosigkeit" vor. (APA/AP)

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