Gewalt auf Molukkeninsel Ambon dauert an

29. April 2004, 16:12
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Bisher 36 Tote bei Kämpfen zwischen Moslems und Christen

Jakarta/Göttingen - Die Gewalt zwischen Moslems und Christen auf der indonesischen Molukken-Insel Ambon dauert an. Seit dem Wochenende wurden nach Augenzeugenberichten mindestens 36 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. In der Nacht zum Mittwoch sei eine Kirche in Brand gesetzt worden und zwei Christen hätten Schussverletzungen erlitten, sagte ein Mitarbeiter der Maranatha-Kirche in Ambon. Ungeachtet der nächtlichen Ausgangssperre sei die ganze Nacht über geschossen worden.

Verlassene Flüchtlingsunterkünfte seien ebenfalls angesteckt worden, berichtete ein Mitglied der moslemischen Jugendorganisation von Ambon. Auch vier Moslems hätten Schusswunden erlitten. Am Mittag (Ortszeit) herrschte gespannte Ruhe in der Inselhauptstadt. Polizeistreifen bemühten sich um die Wiederherstellung der Ordnung.

Auslöser der blutigsten Unruhen auf Ambon seit mehr als zwei Jahren war am Sonntag eine Kundgebung von Christen zum 54. Jahrestag der Gründung der Süd-Molukkischen Unabhängigkeitsbewegung. Muslimische Bewohner hätten dies als Provokation angesehen, hieß es.

Eintreffen von islamistischen Extremisten könnte Gewalt verschärfen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Mittwoch vor einer weiteren Eskalation der Gewalt auf den Molukken-Inseln im Osten Indonesiens gewarnt. Gleichzeitig betonte die Menschenrechtsorganisation, dass die Unruhen keinen religiösen Hintergrund hätten. Sie würden vielmehr gezielt von extremistischen Kräften geschürt, die an einer Destabilisierung der indonesischen Regierung vor den Präsidentschaftswahlen am 5. Juli 2004 interessiert seien.

"Wenn mehrere hundert islamistische Extremisten wie geplant in den nächsten Tagen in dem Krisengebiet eintreffen, um Moslems vor Übergriffen zu schützen, wiederholt sich der Kreislauf der Gewalt, der zwischen 1999 und 2002 mindestens 13.000 Menschen das Leben kostete", sagte der GfbV-Asien-Referent Ulrich Delius. Gerade diese Moslem-Extremisten seien für Dutzende Massaker und die Vertreibung Hunderttausender Menschen verantwortlich gewesen.

Die Zusammenstöße bedeuteten einen schweren Rückschlag für die Bemühungen um Versöhnung zwischen den Religionsgruppen auf den Molukken, stellte Delius fest. "Sie werden mit Gewaltakten gegeneinander aufgehetzt." Mit einer ähnlichen Strategie und Überfällen auf Christen hätten extremistische Gruppen in den letzten Monaten auch zwischen Christen und Moslems auf der Insel Sulawesi im Zentrum Indonesiens Gewalt gesät. (APA/dpa)

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