Niederösterreich: Fischer siegte knapp

26. April 2004, 17:58
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Ein halber Prozentpunkt entschied

St. Pölten - Eine Zitterpartie bis in die frühen Abendstunden hinein fand am Wahlsonntag in Niederösterreich statt. Am Ende setzte sich der SPÖ-Kandidat Heinz Fischer mit 50,50 Prozent der Stimmen durch; seine Konkurrentin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) kam auf 49,50 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 82,27 Prozent im bundesweiten Durchschnitt hoch.

Sowohl bei Auszählung von 50 Prozent aller Stimmen als auch bei Auszählung von 75 Prozent hatte es noch nach einem Sieg Ferrero-Waldners ausgesehen. Für den Leiter der Landeswahlbehörde, Joachim Weninger, ein Zeichen, dass die Auszählungsdynamik bei der Bundespräsidentschaftswahl jener vergangener Wahlkämpfe ähnlich war: Im größten Bundesland werden zuerst die kleinen, VP-dominierten ländlichen Gemeinden ausgezählt, die Resultate aus den wiennahen, größeren Gemeinden und aus den Städten mit traditioneller SP-Mehrheit folgen erst später.

In einer ersten Reaktion sprach SP-Landesvorsitzende Heidemaria Onodi angesichts des sich abzeichnenden Siegs Fischers im Bund wie im Land von einem "Freudentag" für ihre Partei. "Wir haben gewonnen und das kommentiere ich gern", sagte sie in Richtung Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der am Sonntag gegenüber Journalisten zu keiner Stellungnahme bereit war.

Auch Grünen-Landesvorsitzende Madeleine Petrovic gratulierte dem SPÖ-Kandidaten. Der Sieg Fischers sei der Ausdruck eines "Unbehagens mit der ÖVP-Vormacht" in weiten Teilen der Bevölkerung: Die Wählerinnen und Wähler hätten für eine "Gegenmacht zur Regierung" votiert.

Umland für Fischer

In den Wiener Umlandgemeinden zeigte sich deutlich ein Vorsprung Fischers. Im Gesamtbezirk Wien-Umgebung kam der SPÖ-Kandidat auf 57,09, die ÖVP-Kandidatin auf 42,91 Prozent. Auch in Wiener Neustadt setzte sich Fischer mit 64,37 Prozent durch - ebenso in St. Pölten mit 63,76 Prozent

Ferrero-Waldner war mit 53,37 Stimmenanteil zum Beispiel im Bezirk Tulln die Nummer eins. Auch in ihrem Wohnort Baden bei Wien konnte sie einen Heimsieg erringen: In der Stadt im Süden von Wien votierten 56,22 Prozent für die VP-Kandidatin. In Ziersdorf (Bezirk Hollabrunn), der Heimatgemeinde von Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), lag sie mit 55,11 Prozent ebenfalls voran. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.4.2004)

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