Kärnten: Ferrero triumphiert

26. April 2004, 17:59
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Wahlempfehlung Jörg Haiders für VP-Kandidatin schlug voll ein

Klagenfurt - Kärnten steht für Benita Ferrero-Waldner. Mit 52,82 Prozent der Stimmen wies sie ihren Gegner Heinz Fischer deutlich in die Schranken, der auf 47,18 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag lediglich bei 66,5 Prozent. Vor sechs Jahren waren noch mehr als 72 Prozent der Bevölkerung zur Wahl gegangen. Am höchsten war die Wahlbeteiligung übrigens in Ossiach im Bezirk Feldkirchen mit 80,5 Prozent. Ab- solutes Schlusslicht war die Mölltaler Gemeinde Mörtschach (Bezirk Spittal/Drau), wo gerade noch 51,6 Prozent mobilisiert werden konnten.

Fischer gewann in Kärnten nur drei der acht Bezirksstädte, in den anderen fünf Städten hatte Ferrero-Waldner die Nase vorne. Ferrero-Waldner gewann 90 Kärntner Gemeinden, Fischer lag in 42 Gemeinden vorne.

Das knappste Ergebnis gab es in Wolfsberg, wo Ferrero-Waldner mit 38 Stimmen Rückstand von Fischer auf den zweiten Platz verwiesen wurde. In Prozent ausgedrückt: 50,15 zu 49,85 Prozent. Das beste Ergebnis aller Bezirksstädte für Ferrero-Waldner gab es in Feldkirchen mit 56,48 Prozent. Auch in der Landeshauptstadt Klagenfurt schnitt die ÖVP-Kandidatin mit 55,16 Prozent sehr gut ab.

Etwas überraschend war das Resultat im roten Villach, wo Fischer mit 50,7 Prozent nur knapp vorne lag. Das beste Ergebnis aller Bezirksstädte für Fischer gab es in St. Veit/ Glan, wo er 53,5 Prozent erreichte. Die einflussreichen SPÖ-Bürgermeister und zeitweise als Gegner der offiziellen Parteipolitik geltenden Stadtchefs von Villach, St. Veit/Glan und Spittal, Helmut Manzenreiter, Gerhard Mock und Gerhard Köfer, erwarten durch das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl keine Auswirkungen auf die blau-rote Koalition in Kärnten. Allerdings ortet man ein Signal an die "Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der schwarz-blauen Bundesregierung".

Während sich die "Chefs" also auf das Endergebnis konzentrierten, herrschte bei den kleinen SP-Funktionären in der Wahlzentrale tiefe Frustration. Man hatte zwar damit gerechnet, dass Jörg Haiders Wahlempfehlung für Ferrero-Waldner bei freiheitlichen Sympathisanten auf fruchtbaren Boden fallen würde, der große Abstand machte die SP-Funktionäre aber doch betroffen. In manchen Gemeinden wie Lesachtal oder Weißensee kam die VP-Kandidatin gar auf mehr als 70 Prozent.

Da halfen auch einzelne "Liebesbeweise" wie die einer 86-jährigen Klagenfurterin nichts, die, nach einer Operation an den Rollstuhl gefesselt, zum ersten Mal seit einem Jahr wieder das Haus verließ: "Ich muss Heinz Fischer wählen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26.4.2004)

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