Steiermark: Knapper Sieg für Fischer

26. April 2004, 17:58
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SPÖ-Chef Voves mit Ergebnis "tief zufrieden"

Graz - "Na, wer gewinnt?" Der Obsthändler, der auch sonntags am Grazer Hauptplatz sein Standl offen hält, zögert nicht lange: "Der GAK natürlich", beschränkt der alte Standler seine Antwort diplomatisch auf das zweitwichtigste Ereignis dieses Sonntages - den Wettkampf um den Kickertitel.

Fussballtechnisch betrachtet, lag ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner in der Steiermark vom Anpfiff weg über lange Strecken mit einem klaren 1:0 in Führung, ehe SPÖ-Herausforderer Heinz Fischer den Trend umkehrte und als klarer Sieger vom Feld ging. Fischer gewann in erster Linie in den SPÖ-Hochburgen der Obersteiermark, aber auch in Graz, wo er auf rund 51 Prozent kam. Steiermarkweit votierten 51,18 Prozent der Wähler für Fischer, 48,82 Prozent für Ferrero-Waldner.

Lange Zeit sah alles anders aus. Ferrero-Waldner lag deutlich in Führung. Der Abstand zum Gegenkandidaten der SPÖ, Heinz Fischer, betrug bis zu zehn Prozent. Vor allem in den kleineren Gemeinden kam Fischer nicht vom Fleck. Die Agrardörfer der Süd-, West- und Oststeiermark votierten deutlich für Ferrero-Waldner.

In den Industrieregionen der Obersteiermark bildete sich langsam eine Fischer-Fangemeinde. Je größer zudem die Gemeinde, desto größer auch der Zugewinn Fischers. In den Städten und größeren Orten der Obersteiermark wie Kapfenberg, Vordernberg, Veitsch oder im Präsidenten-Villenort Mürzsteg erhält Fischer mehr als 70, zum Teil bis 85 Prozent. Ferrero schien bis zum frühen Nachmittag dennoch deutlich in Führung zu sein, Fischer legte aber mit Fortdauer der Wahl zu, der Abstand schrumpfte.

Um 15 Uhr lag Ferrero-Waldner nur noch um einen Prozentpunkt vorne. Kurz nach 15 Uhr glich Fischer aus. Und wenige Minuten später ging der SPÖ-Herausforderer in Führung. Gegen 15.30 Uhr lag Ferrero-Waldner bereits zwei Prozent hinter Fischer. "Aber es fehlt noch Graz", warnte ÖVP-Geschäftsführer Andreas Schnider, der für seine Landespartei aber schon da positiv verbuchte: "Im Bundesschnitt sind wir dennoch gut unterwegs gewesen."

Als das Graz-Ergebnis gegen 17.30 Uhr vorlag, war das Match entschieden: Fischer konnte mit rund 51 Prozent die Wahl für sich gewinnen. SP-Vorsitzender Franz Voves zeigte sich "tief zufrieden", zumal er auch zum ersten Mal seit Jahren wieder eine Chance sieht, "in der Steiermark die VP-FP-Mehrheit im Land zu brechen". Dies sei vor allem mit Blickrichtung auf die kommende Landtagswahl 2005 von "eminenter Bedeutung". (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 26.4.2004)

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