Erbsünde verpflichtet

13. Juli 2004, 14:32
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Luise Ungerboeck über die neue Forschungs-GmbH

Nach Jahren des Herumdokterns hat sich die schwarz-blaue Regierung endlich zu einer Reform der heimischen Forschungsförderung aufgerafft. Das ist gut.

Denn kleinteilig und unterdotiert wie sie über die Jahre gewachsen ist, ist es nötig, die Zahl der Fördertöpfe zu bereinigen und die - im Europavergleich mickrigen - Innovationskräfte zu bündeln.

Leider hat die Regierung unter Federführung von Vizekanzler Hubert Gorbach die einmalige Chance nicht genützt. Auch die neue Forschungsgesellschaft, zu der vier Fördergesellschaften rund um den gewerblichen Forschungsfonds FFF gebündelt werden, ist mit den Erbsünden der heimischen Forschungsförderpolitik belastet: Postenschacher, politische Einflussnahme und Geldmangel.

Dabei hätte durchaus etwas Innovatives daraus werden können. Hatten doch Heerscharen von Experten aus dem In- und Ausland monatelang diverse Einrichtungen unter die Lupe genommen und deren Wirksamkeit und Wirkungsweise auf kiloweise Papier dokumentiert.

Der Befund war eindeutig: Die staatlichen Einrichtungen arbeiten allesamt sehr effizient und sparsam, die eingesetzten Milliarden verbessern die Innovationskraft der Wirtschaft tatsächlich nachhaltig. Nun sollte eine größere Einheit geschaffen werden, tunlichst ohne Durchgriffsrecht der Politiker und Interessenvertretungen.

Und was macht der Vizekanzler mit den profunden Befunden? Er baut eine riesige Forschungs-GmbH, die vollends unter der Fuchtel der Regierung bleibt. Die Sozialpartner, meist ohne wissenschaftliche Expertise, sitzen wieder in den Entscheidungsgremien.

Der Forschungsrat verteilt weiterhin das zu wenige, aber dafür in einer Scheinstiftung gebündelte Geld. Das hätte man auch billiger haben können. (DER STANDARD Printausgabe, 26.04.2004)

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