Jörg Haider im STANDARD-Interview: "Das zeigt, dass wir keine Hinterwäldler sind"

27. April 2004, 14:07
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Dort, wo sich die ÖVP nicht genug für Ferrero-Waldner angestrengt hätte, habe Heinz Fischer profitieren können, sagt Kärntens Landeshauptmann

Standard: Herr Landeshauptmann, Sie haben sich auf die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero- Waldner festgelegt. Sind Sie nun enttäuscht?

Haider: Nein, ich bin gar nicht enttäuscht. Es ist genau so gekommen, wie ich es eingeschätzt habe. Schließlich haben wir hier in Kärnten ja ein Superwahlergebnis eingebracht.

Standard: Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe für den Wahlsieg von Heinz Fischer? War es eine Lagerwahl oder eine Abrechnung mit Schwarz-Blau?

Haider: Das ist keine Lagerwahl gewesen. Es hat ja sehr unterschiedliche Ergebnisse in den Ländern gegeben. Dort, wo sich die ÖVP nicht genug angestrengt hat, da hat eben der politische Gegner profitiert.

Standard: In Kärnten hat Ferrero- Waldner klar gewonnen. War das der Haider-Effekt?

Haider: Sie hat die Möglichkeit gehabt, sich bei uns zu präsentieren, und hat viel Sympathie erfahren. Aber die Leute haben sie als Person gewählt. Es ist daher auch ihr Erfolg. Es nutzt ja nix, wenn man jemandem einen guten Boden bereitet, wenn’s der Kandidat dann nicht bringt. Aber ich freue mich, dass das Wahlergebnis in Kärnten positiv zugunsten einer Frau ausgegangen ist. Das zeigt, dass wir hier keine Hinterwäldler sind, ganz im Gegenteil.

Standard: War es sinnvoll, eine indirekte Wahlempfehlung für die VP-Kandidatin abzugeben? Auf Bundesebene haben Sie damit ja nicht den großen Erfolg gehabt.

Haider: Wir haben in Kärnten gesehen, dass die Unterstützung durch den Landeshauptmann gut war. Heinz Fischer hätte unsere Einladung nach Kärnten annehmen sollen. Man sieht ja am Wahlergebnis, es hat der ÖVP-Kandidatin nicht geschadet, dass sie mehrmals zu uns nach Kärnten gekommen ist.

Standard: Sie haben dem SPÖ- Kandidaten Heinz Fischer vor allem die Ausgrenzung der FPÖ vorgeworfen. Was erwarten Sie jetzt vom neuen Bundespräsidenten?

Haider: Ich erwarte mir vom Bundespräsidenten Heinz Fischer, dass er sich korrekter zur FPÖ verhält als der Kandidat Heinz Fischer, der die alten parteipolitischen Reflexe nicht ablegen konnte und wie der Papst ex cathedra verkündet hat, was eine Sünde ist und was nicht.

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