Wahlbeteiligung auf Tiefstand gefallen

25. April 2004, 22:11
38 Postings

Auf 70,76 Prozent - 29 Prozent der Nichtwähler halten Amt für überflüssig

Wien - Mit 70,76 Prozent - nach dem vorläufigen Endergebnis ohne Auslands-Wahlkarten - ist die Wahlbeteiligung bei der Bundespräsidentenwahl am Sonntag auf einen neuen Tiefststand gefallen. Vor sechs Jahren, bei der Wiederwahl von Thomas Klestil, hatten noch 74,4 Prozent ihre Stimme abgegeben - und das, obwohl das Ergebnis von Anfang an praktisch fest gestanden war. Als Grund für ihr Fernbleiben gaben die Nichtwähler in einer OGM-Wahltagsbefragung für den ORF (881 Telefoninterviews) vor allem an, das Amt für überflüssig oder beide Kandidaten für ungeeignet zu halten.

Als überflüssig haben 29 Prozent der Nichtwähler das Amt bezeichnet, 25 Prozent halten beide Kandidaten für ungeeignet. 20 Prozent machten politisches Desinteresse geltend, weitere 17 Prozent sagten, sie seien persönlich verhindert gewesen. Die restlichen neun Prozent gaben andere Gründe an bzw. machten keine Angabe.

Bis 1974 war die Wahlbeteiligung bei Präsidentenwahlen immer in einer Größenordnung von 95 Prozent gelegen. 1980, bei der Wiederwahl Rudolf Kirchschlägers, waren dann 91,6 Prozent zu den Urnen gegangen, 1986 - gewählt wurde Kurt Waldheim - wurde erstmals ein Wert unter 90 Prozent verzeichnet. 1992, bei der ersten Wahl von Thomas Klestil, folgte dann ein Rückgang auf 84,4 Prozent im ersten bzw. 80,9 Prozent im zweiten Wahlgang.

Nach Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. In Vorarlberg sind lediglich 54,53 Prozent zu den Urnen gegangen. Das Bundesland mit der zweitschlechtesten Beteiligung war Wien mit 63,56 Prozent, es folgen Salzburg (66,04), Kärnten (66,49) und der Steiermark (68,09 Prozent). Tirol, das einzige Bundesland mit Wahlpflicht, brachte es auf 69,76 Prozent.

Die eifrigsten Wähler waren mit 87,60 Prozent die Burgenländer. 1998 hatten diesen Ehrenplatz - damals noch mit Wahlpflicht - die nunmehrigen Wahlmuffel in Vorarlberg. Die Nummer 2 in Sachen Wahlbeteiligung ist Niederösterreich mit 82,27 Prozent, Oberösterreich kam auf 72,06 Prozent.

Zum Vergleich: Bei der Nationalratswahl 2002 machten 84,3 Prozent der Österreicher von ihrem Wahlrecht Gebrauch, im Jahr 1999 80,4 Prozent. Die bisher niedrigste Wahlbeteiligung bei bundesweiten Wahlen gab es bei EU-Wahlen, 1996 mit 67,7 Prozent und 1999 mit dem Negativ-Rekord von 49,4 Prozent. (APA)

Die Beteiligung bei den bisherigen Präsidentenwahlen seit
Einführung der Volkswahl 1951 (2004 vorläufiges Endergebnis):

1.WG/2.WG Wahlber. Abgegeben Gültig Prozent

1951 1.WG 96,83 4,513.597 4,370.574 4,298.347 2.WG 96,89 4,513.597 4,373.194 4,184.953 1957 97,16 4,630.997 4,499.565 4,417.859 1963 95,59 4,869.603 4,654.657 4,464.120 1965 95,99 4,874.928 4,679.427 4,585.324 1971 95,29 5,024.324 4,787.706 4,712.048 1974 94,06 5,031.772 4,733.016 4,630.837 1980 91,63 5,215.875 4,779.054 4,430.889 1986 1.WG 89,48 5,436.846 4,864.709 4,719.980 2.WG 87,29 5,436.846 4,745.849 4,571.810 1992 1.WG 84,36 5,676.903 4,788.894 4,645.177 2.WG 80,91 5,676.903 4,592.932 4,443.386 1998 74,40 5,848.584 4,351.272 4,169.319 2004 70,76 6,030.922 4,267.612 4,085.965

   Wahlbeteiligung nach Bundesländern in Prozent
   (2004 vorläufiges Endergebnis)

2004 1998 _____________________________________________ Burgenland 87,60 84,65 Kärnten 66,49 72,31 Niederösterreich 82,27 82,32 Oberösterreich 72,06 74,62 Salzburg 66,04 72,52 Steiermark 68,09 70,51 Tirol 69,76 79,62 Vorarlberg 54,53 89,84 Wien 63,56 63,40 _____________________________________________

Gesamt 70,76 74,40

Share if you care.