ÖVP jubelt trotz der Niederlage

26. April 2004, 15:28
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Benita-Sprechchöre bei Wahlkampfabschluss-Feier

Wien - Trotz der sich abzeichnenden Niederlage begrüßen einige hundert ÖVP-Funktionäre und Sympathisanten die ersten Hochrechnungen zur Präsidentenwahl am Sonntagnachmittag mit lautstarkem Jubel. Kurz vor Beginn der ORF-Übertragungen hatten etwa ein Dutzend jugendliche Funktionäre die Bühne im Wiener Kursalon Hübner erklommen und begrüßten die erste ORF-Hochrechnung mit lautstarken "Benita"-Sprechchören. Auch im Publikum gab es regen Applaus. Offenbar hatte es sich so mancher nicht vorstellen können, dass es zu dem sich um 17.00 Uhr noch abzeichnenden äußerst knappen Kopf-an-Kopf-Rennen kommen würde.

"Archaische Vorstellung"

Von derartigen Zweifeln nicht geplagt zeigte sich Ferrero-Waldners Kampagnenleiter Kurt Bergmann: "Es hat fast niemanden gegeben, außer dem Wahlkampf-Tross von Heinz Fischer, der nicht geglaubt hat, es wird ein knappes Rennen", meinte Bergmann vor Journalisten. Warum es dann doch nichts wurde mit der ersten Bundespräsidentin? "Wir haben offenbar die archaische Vorstellung unterschätzt, dass eine Frau als Bundespräsident für weite Bereiche nicht vorstellbar ist." Außerdem habe die geringe Wahlbeteiligung der ÖVP stärker geschadet als der SPÖ. Dass auch die "Frauen-Frage" der ÖVP stärker geschadet hat als dies bei einer SP-Kandidatin der Fall gewesen wäre, glaubt Bergmann nicht: "Die SPÖ hat zumindest einen so hohen reaktionären bzw. konservativen Anteil wie die ÖVP."

Zur Abschlussveranstaltung der Volkspartei waren Sonntagabend neben aktiven VP-Granden wie Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Nationalratspräsident Andreas Khol auch der Ehrenvorsitzende Alois Mock und Ex-Bundespräsident Kurt Waldheim gekommen. Mit begeistertem Applaus und "Paco"-Sprechchören begrüßt wurde auch Ferrero-Waldners Gatte, Francisco Ferreo-Campos. Dieser war sichtlich gerührt, bedankte sich bei der ÖVP und gratulierte der zu diesem Zeitpunkt noch nicht anwesenden Ferrero-Waldner: "Ich bin stolz auf meine Frau."

Mit dabei waren auch einige prominente Unterstützer aus dem Personenkomitee für die Außenministerin. Darunter auch Lotte Ingrisch, die Stiefmutter des SP-Abg. Caspar Einem. Sie hatte im Wahlkampf Heinz Fischer für dessen aus ihrer Sicht mangelndes Engagement für die Umwelt gescholten und hatte nun ihre eigene Theorie für die Wahlniederlage: "Der Krankl, nein der Krenkel ist schuld", kritisierte sie Ferrero-Waldners Wahlkampfmanager. Dieser hätte nämlich viel stärker darauf hinweisen müssen, dass mit Fischer "der Kämpfer für Atomkraft und die Hainburger Au" zur Wahl stehe und ein solcher Kandidat sei auch noch von Grün-Politikern unterstützt worden, empörte sich Ingrisch. "Pfui, mein ganzes Vertrauen in die Grünen ist weg." (APA)

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    Wahlhelfer Ferrero-Waldners

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