Die Staatsoberhäupter der Zweiten Republik

28. April 2004, 17:55
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Fischer achter Bundespräsident seit 1945

Wien - Heinz Fischer ist das elfte Staatsoberhaupt seit Ausrufung der Republik Österreich und das achte der Zweiten Republik. Die Bundespräsidenten der Ersten Republik waren Karl Seitz, Michael Hainisch und Wilhelm Miklas, seit 1945 amtierten Karl Renner, Theodor Körner, Adolf Schärf, Franz Jonas, Rudolf Kirchschläger, Kurt Waldheim, Thomas Klestil - und ab seiner Angelobung am 8. Juli dann Heinz Fischer.

Von 1920 bis 1951 wurden die Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung gewählt, in der Zweiten Republik wurde die Direktwahl durch das Volk eingeführt. Theodor Körner war der erste direkt gewählte Präsident. Die Funktionsperiode beträgt sechs Jahre, wobei maximal zwei Perioden erlaubt sind.

Fischer ist der erste SPÖ-Kandidat seit 18 Jahren, der es in die Hofburg schaffte. Die ersten vier Präsidenten der Zweiten Republik - Renner, Körner, Schärf und Jonas - waren SPÖ-Mitglieder. Kirchschläger war zwar parteifrei, wurde aber von der SPÖ nominiert. Seine Nachfolger Waldheim und Klestil waren ÖVP-Mitglied; Klestil trat allerdings zu seiner Wiederwahl 1998 als unabhängiger Kandidat an.

Die bisher höchste Zustimmung erreichte Kirchschläger bei seiner Wiederwahl 1980, nämlich 79,9 Prozent - wobei die ÖVP damals keinen Kandidaten aufstellte. Thomas Klestil, der zu seiner Wiederwahl als unabhängiger Kandidat mit Unterstützungskomitee antrat, erreichte 1998 mit 63,4 Prozent das zweitbeste Ergebnis. Neben Klestil und Kirchschläger blieben noch zwei weitere Bundespräsidenten der Zweiten Republik, Adolf Schärf und Franz Jonas, zwei Perioden im Amt.

Die Kurzbiografien der Staatsoberhäupter der Zweiten Republik:

  • Dr. KARL RENNER (Staatskanzler 27.4.1945 bis 20.12.1945, Bundespräsident 20.12.1945 bis 31.12.1950) Geboren am 14.12.1870 in Untertannowitz (Mähren), gestorben am 31.12.1950 in Wien. Jurist. Führer des gemäßigen Flügels der Sozialdemokratie, ab 1907 Reichtstagsabgeordneter. Vom Oktober 1918 bis Juni 1920 Staatskanzler, 1919 Leiter der Delegation Österreichs Delegation bei den Friedensverhandlungen von Saint Germain. Beginn der 20er Jahre Rückzug aus der Politik, 1930 Wiederkehr als Nationalratspräsident (bis März 1933). 1934 vom Dollfuß-Regime vorübergehend inhaftiert. 1938 Plädoyer für "Ja" in Volksabstimmung über Anschluss an Hitler-Deutschland. 1945 erst als Staatskanzler eingesetzt, dann von Bundesversammlung zum Präsidenten gewählt, im Amt bis zu seinem Tod.

  • Dr. h.c. THEODOR KÖRNER (21.6.1951 bis 4.1.1957) Geboren am 24.4.1873 bei Komarom (Ungarn), gestorben am 4.1.1957 in Wien. Im Ersten Weltkrieg Generalstabschef der Isonzo-Armee, 1924 als General pensioniert. Widmete sich der Politik - sozialdemokratischer Vertreter der Stadt Wien im Bundesrat, militärischer Berater des Republikanischen Schutzbundes. 1934 für elf Monate inhaftiert; nach Hitler-Attentat 1944 wurde er vorübergehend von der Gestapo festgenommen. 1945 Wiener Bürgermeister. 1951 erster vom Volk gewählter Bundespräsident, starb kurz vor Ende der ersten Amtsperiode.

  • Dr. ADOLF SCHÄRF (22.5.1957 bis 22.5.1963 und 22.5.1963 bis 28.2.1965) Geboren am 20.4.1890 in Nikolsburg (Mähren), gestorben am 28.2.1965 in Wien. Rechtsanwalt. Offizier im Ersten Weltkrieg. Sozialdemokrat, 1918 bis Sekretär der Nationalratspräsidenten. In der NS-Zeit drei Mal verhaftet. 1945 bis 1957 Vorsitzender der SPÖ und Vizekanzler, maßgeblich an Staatsvertragsverhandlungen beteiligt. 1957 Wahl zum Bundespräsidenten. Starb während der zweiten Amtsperiode.

  • FRANZ JONAS (9.6.1965 bis 9.6.1971 und 9.6.1971 bis 24.4.1974) Geboren am 4.10.1899 in Wien, gestorben am 24.4.1974. Buchdrucker. Beteiligte sich am Kärntner Abwehrkampf. Karriere in der Gewerkschaft, 1932 Sekretär der Sozialdemokratischen Partei. 1935/36 verhaftet. 1948 Stadtrat in Wien, 1951 Nachfolger Körners als Bürgermeister. 1965 Wahl zum Bundespräsidenten, lobte 1970 die von ihm mit initiierte SPÖ-Minderheitsregierung an. Starb während der zweiten Amtsperiode an Krebs.

  • Dr. RUDOLF KIRCHSCHLÄGER (8.7.1974 bis 8.7.1980 und 8.7.1980 bis 8.7.1986) Geboren am 20.3.1915 in Niederkappel (Oberösterreich), gestorben am 30.3.2000 in Wien. Jurist. Im Zweiten Weltkrieg schwer verwundet. Nach Kriegsende Richter und vorübergehend ÖVP-Mitglied. 1954 Außenministerium, Mitglied der Delegation für die Staatsvertragsverhandlungen; einer der Väter des Neutralitätsgesetzes. 1968 Gesandter in Prag. 1970 Außenminister im Kabinett Kreisky. Parteiloser, von der SPÖ nominierter Kandidat für die Präsidentschaftswahl 1974. Wiederwahl 1980, ÖVP verzichtete auf Gegenkandidaten. Rückzug ins Privatleben nach der zweiten Periode; starb kurz nach dem 85. Geburtstag in Wien.

  • Dr. KURT WALDHEIM (8.7.1986 bis 8.7.1992) Geboren am 21.12.1918 in St. Andrä-Wördern (NÖ). Jurist. Frontoffizier der Deutschen Wehrmacht. Nach Kriegsende auswärtiger Dienst, u.a. Botschafter in Kanada, bei der UNO. 1968 bis 1970 Außenminister der ÖVP-Alleinregierung. 1971 erster Antritt als ÖVP-Kandidat bei Präsidentschftswahl, unterliegt gegen SPÖ-Kandidaten Franz Jonas. 1972 bis 1981 UNO-Generalsekretär. 1985 zweiter Antritt als ÖVP-Kandidat bei Präsidentschaftswahl. Gewinnt trotz heftiger Diskussionen über seine Wehrmachts-Vergangenheit gegen SPÖ-Kandidaten Kurt Steyrer. Als Bundespräsident international isoliert, von USA auf die Watchlist gesetzt. Verzichtete 1991 auf Wiederkandidatur.

  • Dr. THOMAS KLESTIL (8.7.1992 bis 8.7.2004) Geboren am 4.11.1932 in Wien. Studium der Handelswissenschaften. Diplomatenkarriere, u.a. OECD-Delegation in Paris, Botschafter bei der UNO, in Washington. 1987 Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten. ÖVP-Kandidat bei Nationalratswahlen 1986 und 1989. 1992 ÖVP-Bundespräsidenten-Kandidat, gewinnt gegen SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher. In erster Amtszeit Trennung von Frau Edith, schwere Erkrankung im Herbst 1996. 1998 überparteilicher Kandidat, unterstützt von Komitee mit Helmut Zilk (SPÖ) an der Spitze; Klestil setzt sich im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber durch. Lobt 2000 wider Willen die schwarz-blaue Koalition an.

  • Dr. HEINZ FISCHER (ab 8.7.2004) Geboren am 9.10.1938 in Graz. Studium der Rechtswissenschaften. Trat 1962 nach der Gerichtspraxis als Jurist ins Sekretariat des SPÖ-Klubs ein und blieb seither - mit nur einer Unterbrechung, als er 1983-1987 Wissenschaftsminister war - im Parlament, seit 1971 als Abgeordneter, 1975-1983 geschäftsführender Klubobmann, 1987-1990 Klubobmann. Von 1990-2002 war Fischer Nationalratspräsident, seit der Wahl 2002 ist er Zweiter Nationalratspräsident. In der SPÖ war Fischer von 1979 bis 2004 stellvertretender Parteivorsitzender.
(APA)
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