Portrait: Heinz Fischer ist erster Mann im Staat

25. April 2004, 18:38
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SPÖ-Urgestein am Höhepunkt seiner Karriere

Wien - Heinz Fischer hat es geschafft. Der Zweite Nationalratspräsident wird das achte Staatsoberhaupt der Zweiten Republik. Sein Credo der Politik mit Gewissen kam bei der Wählerschaft offenbar besser an als Benita Ferrero-Waldners Werben mit ihrer Auslandserfahrung. Damit hat Fischer mit 65 Jahren den Gipfelpunkt einer jahrzehntelangen politischen Karriere erreicht, die ihn alle Hochs und Tiefs seiner SPÖ an führender Stelle miterleben ließ. Dass er nicht gerade als charismatisch gilt und ihm das Image des Parteisoldaten anhaftet, störte die Österreicher am Sonntag offenbar nicht.

Fischer ist wohl der erfahrenste noch aktive Politiker der SPÖ. Seine Karriere begann als Klubjurist im Parlament bereits im Jahr 1963 - und seither blieb er der Partei treu wie kaum ein anderer. Gelohnt wurde das dem gebürtigen Grazer mit Posten wie Klubchef, Wissenschaftsminister und Nationalratspräsident. Vor allem letztere Rolle war es, die Fischer in der Öffentlichkeit beliebt machte, übte er die Tätigkeit als zweithöchster Mann im Staat doch elf Jahre ohne gröbere Fehler aus.

Leitfigur Kreisky

Fischers politische Leitfigur war stets Bruno Kreisky, auf den er sich (wie die meisten altgedienten Sozialdemokraten) heute noch gerne beruft. Allerdings war der legendäre Ex-Kanzler auch wesentlich am einzig echten Eklat in der Karriere des künftigen Staatsoberhaupts beteiligt. Am Höhepunkt des Streits zwischen Kreisky und Simon Wiesenthal tat sich der damalige Klubchef Fischer als derjenige hervor, der einen Untersuchungs-Ausschuss gegen den Nazijäger anregte. Ein Vorgehen, für das er sich bis heute nicht wirklich entschuldigt hat. Zumindest meint Fischer nun, er hätte besser handeln können.

Seine Rolle gefunden hatte Fischer, als er 1990 Nationalratspräsident wurde. In den zwölf Jahren seiner Tätigkeit wurde ihm Lob letztlich aller Fraktionen zu teil, da er sich kaum Aktionen zu Schulden kommen ließ, die als parteiisch gewertet werden könnten. Auf Grund seiner Vermittlungskünste wurde ihm angeblich sogar der Kosename "Onkel Salomo" verliehen, auf den sich Fischer, der manchen als selbstverliebt gilt, während des aktuellen Wahlkampfes gerne und oft berief.

Bescheidenheit

Als Stärken Fischers gelten seine persönliche Bescheidenheit, seine Bedächtigkeit sowie seine politische Überlebensfähigkeit. Letztere brachte ihm allerdings auch immer wieder den Vorwurf ein, nicht gerade der Mutigste zu sein. Andere wiederum halten ihn gerade deshalb für präsidenten-tauglich, da von Fischer keine aufgeregten Aktionen zu erwarten sind. Und als Mann der mahnenden Worte eignet sich das für seine bedächtigen Formulierungen berühmte neue Staatsoberhaupt, das gerne Rudolf Kirchschläger als Vorbild bezeichnet, zweifelsohne.

Fischer wurde am 9. Oktober 1938 in eine sozialdemokratische Familie hinein geboren. Sein Vater, Rudolf Fischer, war von 1954 bis 1956 Staatssekretär im Handelsministerium in der Regierung Raab/Schärf. Die Schule besuchte Heinz Fischer in Wien, 1961 promovierte er zum Dr. jur., 1993 wurde er "Ordentlicher Universitätsprofessor".

Nach seiner Gerichtspraxis kam Fischer als Jurist in den Klub der SP-Parlamentarier. 1963 bis 1975 war er Sekretär des Klubs, dann Geschäftsführender Klubobmann, Minister für Wissenschaft und Forschung von 1983 bis 1987 und Klubchef (1987-1990). 1990 wurde er zum Nationalratspräsidenten gewählt, seit 2002 ist er Zweiter Nationalratspräsident. In der SPÖ war er 25 Jahre stellvertretender Vorsitzender. Auch bei den Europäischen Sozialdemokraten war das SPÖ-Urgestein lange Zeit an führender Stelle tätig.

Nebenbei war Fischer mehr als dreißig Jahre Präsident der Naturfreunde. Als sein größtes Hobby gilt das Bergsteigen, musikalisch gehört dem Jazz seine Liebe. Verheiratet ist Agnostiker Fischer seit 35 Jahren mit Margit Fischer. Der Ehe entstammen ein Sohn und eine Tochter. Wohnen werden die Fischers auch als "First Couple" in ihrer Wohnung in der Wiener Josefstädter Straße. (APA)

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