"Bin nicht Treichls Rettung, Erste Bank hat hoch riskiert"

11. Februar 2005, 15:38
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Der Amerikaner Jack Stack hat in nur zwei Jahren die ehemals tschechische Großsparkasse Ceská sporitelna zur Cashcow der Erste Bank gemacht - Mit Judith Grohmann sprach er über weitere Pläne und warum er die tschechische Politik so gerne mit Parteispenden unterstützt

Wien/Prag - Jack Stack, Vorstandschef der größten Ost-Tochter der Erste Bank, Ceská sporitelna, hat die Wende geschafft. Aus dem hoffnungslos verstaubten Institut hat der ehemalige Finanzvorstand der Chase Manhattan ein profitables Finanzhaus gemacht, das sich im Wettbewerb mit den zwei größten Banken des Landes - der Ceskoslovenská Obchodní Banka (CSOB) und der Société-Générale-Tochter Komercní Banka - durchaus behaupten kann.

Ob er sich eigentlich als "Retter" der Erste Bank sehe? "Ich bin nicht Treichls Rettung", sagte Stack im Gespräch mit dem STANDARD. "Die Erste ist, als sie die Ceská vor zwei Jahren übernahm, ein enormes Risiko eingegangen."

Fauler Kredite

Stack spielt dabei auf die Übernahme "fauler Kredite" beim Erwerb der Ceská sporitelna an. Das Kreditportefeuille der Bank habe Ende 1999 87,7 Mrd. Kronen (2,766 Mrd. Euro) betragen.

Davon seien von tschechischer Seite 22,4 Mrd. Kronen als uneinbringlich eingestuft und 65,3 Mrd. als "sauber" bewertet worden. Der Erste Bank sei gleichzeitig das Recht eingeräumt worden, die als sauber eingestuften Kredite in die Kategorie der "uneinbringlichen Kredite" umzustufen.

Aus dieser Reklassifizierung kamen nochmals 7,1 Mrd. Kronen zu den ursprünglichen 22,4 Mrd. hinzu, sodass sich das Portefeuille der uneinbringlichen Forderungen auf 29,5 Mrd. Kronen erhöht habe. Diese wurden um 7,4 Mrd. Kronen wertberichtigt.

Bis Ende Juni 2002 wurden 14,6 Mrd. Kronen zum Kaufpreis von neun Mrd. Kronen an die Konsolidierungsagentur übertragen. Damit sei die Restrukturierung des Kreditportefeuilles der Ceská sporitelna nun abgeschlossen.

Massiv abschlanken

Als Stack im März 2000 nach Prag kam, musste er die Ceská sporitelna zunächst massiv abschlanken: die Anzahl der Mitarbeiter fiel in den vergangenen zwei Jahren von 15.500 auf 11.200.

Ob er einen weiteren Abbau plane? "Sollten die Einnahmen jemals zurückgehen, werden wir uns das genauer ansehen. Derzeit befinden wir uns aber in einer Wachstumsphase", sagt er.

Immerhin werde die Ceská sporitelna heuer ihren Aktionären für 2002 eine siebenfach höhere Dividende auszahlen als in den Jahren davor: 20 Kronen pro Aktie (63 Cent).

Die tschechische Bank hat 2002 mit einem Gewinn von 184 Mio. Euro abgeschlossen (nach 56 Mio. Euro im Jahr 2001) und peilt für heuer 215 Mio. Euro an.

"Bleibe gern in Prag"

Dass Stack die tschechische Politik mit Geld unterstützt, hat man ihm in den lokalen Medien sehr übel genommen: Er solle sich seine "Cowboymanieren abgewöhnen", hieß es. Insgesamt habe er den vier Parteien etwa je 88.000 Euro gespendet.

"Wir haben derzeit in Tschechien eine Situation, wo freie politische Parteien ihre demokratischen Prinzipien entwickeln. Das unterstütze ich gerne, denn ich bin für faire Wahlen."

Was er plant, wenn sein Fünf-Jahres-Vertrag im Jahr 2005 ausläuft? "Wenn Andreas Treichl mich nicht feuert, würde ich noch gerne in Prag bleiben." (DER STANDARD Printausgabe, 19.05.2003)

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