Malta will sich zum Musterschüler in der EU mausern

11. Februar 2005, 15:39
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Die Mittelmeerinsel will als erstes der neuen EU-Mitglieder bereits im Jahr 2006 den Euro einführen - Zuvor wird das Budgetdefizit abgebaut, die Staatsschuld reduziert und vieles privatisiert

Valetta - Zwar zählt die Mittelmeerinsel Malta zu den kleinsten EU-Newcomern. Die Regierung plant jedoch durch den Abbau des Defizits und der Staatsschulden zum EU-Musterschüler zu avancieren und bereits 2006 den Euro einzuführen.

Andere Maastricht-Kriterien wie etwa die Inflationsrate (1,3 Prozent) bzw. die Währungsstabilität haben die Malteser fest im Griff. Die Arbeitslosenrate liegt mit 5,1 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Auf Malta herrscht Aufbruchsstimmung. Der jüngste Bauboom, die sich abzeichnende Belebung im Tourismusgeschäft und zahlreiche Privatisierungsvorhaben bestätigen die neuerliche Dynamik.

Die Bauinvestitionen sollen auch heuer um sieben Prozent zunehmen. Es boomt vor allem der private Wohnungsbau, da die Malteser zurzeit lieber in Immobilien als in Wertpapiere investieren.

Stagnierendes Wirtschaftswachstum

Nachdem das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2003 stagnierte, erwarten die Experten des Statistikamtes NSO für das zweite Quartal bereits eine leichte Belebung, die sich dann in der zweiten Jahreshälfte 2003 verstärken soll.

Die Regierung ist dabei, die öffentlichen Finanzen zu sanieren. Der Anteil der Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt konnte bereits von elf Prozent im Jahr 1998 auf 5,2 Prozent im Vorjahr halbiert werden.

Bis 2004 soll der Anteil auf drei bis vier Prozent sinken. Die Zentralbank erwartet 2003 ein Etatdefizit von 4,5 Prozent.

Rigorose Bekämpfung der Steuerflucht

Der Defizitabbau soll durch rigorose Bekämpfung der Steuerflucht, durch Ausgabenschnitte bei den Zuweisungen an die Ministerien und durch die geplante Rentenreform erfolgen.

Das Pensionsalter soll von 61 auf 65 erhöht werden. Auftakt zur Privatisierungswelle hat der Airport von Malta gegeben, wobei der Flughafen Wien den Zuschlag erhielt.

Nun sollen auch die nationale Fluggesellschaft Air Malta, die Schifffahrtsgesellschaft Sea Malta, die Fährdienste Gozo-Malta und die Wasser- und Energieversorgung privatisiert werden.

Österreich auf Malta

Österreich ist auf Malta mit vier Produktionsfirmen und drei Banken (Raiffeisenbank, Volksbank und Sparkasse Schwaz) vertreten. Zu den neuralgischen Punkten der 385.000 Einwohner zählen Umweltverschmutzung und Verkehrsprobleme.

Auch hier will sich Malta als Musterknabe beweisen: Mülltrennung ist geplant; der Bauschutt darf künftig nicht mehr auf dem als Zeitbombe bezeichneten Müllberg Maghtab gelagert werden; neue Kläranlagen sind in Vorbereitung.

Vorerst wartet die Regierung aber auf EU-Mittel für die Finanzierung der ehrgeizigen Umweltprojekte. (DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2003, Thesy Kness-Bastaroli)

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