Bestechungsskandal: Portugiesischer Ligapräsident angeklagt

29. April 2004, 17:01
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Auch Regierung kommt in Schwierigkeiten - Verbandspräsident zog Kandidatur für UEFA-Exekutive zurück

Porto/Madrid - Knapp 50 Tage vor Anpfiff zur Fußball-EM-Endrunde hat der Bestechungsskandal im Land des Gastgebers Portugal auf die Politik übergegriffen. Die Justiz erhob offiziell Anklage gegen den Liga-Präsidenten Valentim Loureiro wegen Korruption und Betrug in 23 Fällen. Dies brachte Portugals Regierung von Ministerpräsident Jose Manuel Durao Barroso in eine missliche Lage. Loureiro gilt nämlich als einer der einflussreichsten Politiker der rechtsliberalen Regierungspartei PSD im Norden des Landes.

Abgrenzung

Auf Grund des Skandals strich die PSD Loureiros Sohn Joao, der obendrein Vereinschef des Erstligisten Boavista Porto ist, von ihrer Kandidatenliste für die bevorstehenden Europawahlen. Im Rahmen der Ermittlungen erließ die Justiz am Wochenende erstmals Haftbefehl gegen einen der Verdächtigen. Haftrichterin Ana Claudia Nogueira verhängte über den Präsidenten des Drittdivisionärs SC Gondomar, Jose Luis Oliveira, die Untersuchungshaft. Oliveira gilt als "rechte Hand" des Liga-Präsidenten. Er ist in der Stadt Gondomar bei Porto Loureiros Stellvertreter als Bürgermeister.

Wegen des Skandals hatte die Polizei in einer Razzia unter der Bezeichnung "Goldener Pfiff" 16 Verdächtige festgenommen, darunter neun Schiedsrichter. 15 Verdächtige, unter ihnen auch Loureiro, wurden gegen Kaution und andere Auflagen später wieder freigelassen. Ihnen wird zur Last gelegt, Referees bestochen zu haben. Außerdem sollen für Spiele des SC Gondomar gezielt korrupte Unparteiische eingesetzt worden sein, so dass der Klub jetzt an der Spitze der dritten Liga steht.

Dem Ligachef wird außerdem zur Last gelegt, politische Beziehungen dazu genutzt zu haben, öffentliche Bauaufträge gegen Bestechung bestimmten Unternehmern zuzuschanzen. Auch gegen den Präsidenten des Schiedsrichterkomitees, Jose Antonio Pinto de Sousa, wurde Anklage wegen Korruption erhoben.

Nur der Anfang?

Die portugiesische Presse vermutet, dass der Skandal nur die "Spitze des Eisbergs" darstellt. In den Justizakten tauchen angeblich auch die Namen von Staatssekretären auf, die mit den Verdächtigen Kontakt gehabt haben sollen. Den Politikern wurde allerdings nichts zur Last gelegt.

Der Präsident des portugiesischen Fußballverbandes (FPF), Gilberto Madail, zog wegen des Skandals seine Kandidatur für einen Sitz in der Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) zurück. Der FPF-Chef, der auch für die Vorbereitungen der EURO verantwortlich ist, war früher für die heutige Regierungspartei PSD im Parlament gesessen. (APA/dpa)

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