Sprechen aus Leidenschaft

28. April 2004, 13:56
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Das Berufsbild Sprecher ist im Wandel begriffen: Eine schöne Stimme allein ist heute kein Erfolgsgarant mehr

Sie werken in Sendern, in Tonstudios und in neuen Medien; informieren, moderieren und werben: Sprecherinnen und Sprecher müssen heute weit mehr haben als nur eine schöne Stimme. "Der Beruf ist gefragt - die klassischen Sprecher gibt es aber nicht mehr", sagt Viktor Handlos, Sprechtrainer und seit 25 Jahren Rundfunksprecher. Gerade im Nachrichtenbereich würde heute viel Gesprochenes von Journalisten abgedeckt.

Die Anforderungen hätten sich verändert: "Der Sprecher musste früher neben einer guten Stimme eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung haben und mit bis zu 30 Fremdsprachen umgehen können - bei einer Aufnahmeprüfung für Tagessprecher in den 70er-Jahren kamen von 500 Kandidaten zwei durch."

Viel wissen sollten Sprecher nach wie vor. Neben Stimme, Ausstrahlung und Sprachgefühl seien heute bei den Auswahlverfahren aber vor allem auch journalistische Fähigkeiten und Flexibilität gefragt, sagt Konrad Mitschka, Schulungsleiter im ORF. Die Stimmen müssten vielfach einsetzbar sein, für Moderationen ebenso wie im Aktuellen Dienst: "Nur den Beruf des Nachrichtensprechers anzustreben lohnt sich heute nicht mehr - die Nachfrage ist zu gering." Interessenten rät Mitschka den "traditionellen" Weg über Journalismus oder Schauspiel: "Das Sprechen sollte als Hobby oder Nebenerwerb gesehen werden." Einen anderen "Basisberuf" empfiehlt auch Tatjana Lackner, Leiterin der "Schule des Sprechens", die seit zehn Jahren professionelle SprecherInnen ausbildet.

Die meisten ihrer Absolventen hätten Sprechen als Zweitjob begonnen. Lackner sieht wohl einen Bedarf an Sprechern - allerdings werde das Berufsbild ganz neu definiert: "Der Trend geht heute klar weg von den Medien hin zur Wirtschaft - gesucht werden Stimmen für Mailboxen und fürs Internet, für die Werbung, für Callcenter, für Unternehmenspräsentationen auf Video oder Off-Air-Moderationen bei Firmenfesten." Und: "Man muss den Firmen selbst Ideen anbieten."

Begrenzter Markt

An die 50 Unterrichtsstunden braucht es mindestens bis zum professionellen Sprecher. Allerdings: So begrenzt wie der Markt sind auch die Ausbildungsmöglichkeiten. Neben der "Schule des Sprechens" kann derzeit fast nur privat gelernt werden - oder im Rahmen einer Schauspielausbildung, wo jedoch nicht fürs Mikro trainiert wird.

Bei Privatunterricht gelte es, die Spreu vom Weizen zu trennen, weiß Lackner: "Man sollte sich den Lehrer in einer Schnupperstunde anhören, prüfen, ob seine Stimme und Sprache sitzen, welche Erfahrung er mitbringt, und ob ich selbst so klingen möchte."

Schauspiel- und Sprechcoach Robert Castellitz rät, sich schon während der Ausbildung eine individuelle Nische zu suchen: "Nicht jeder Sprecher kann alles können. Am besten ist, sich möglichst viel Gesprochenes anzuhören und dann ein persönliches ,Steckenpferd' zu finden." (DER STANDARD, Printausgabe vom Samstag/Sonntag, 24./25. April 2004)

Von
Isabella Lechner

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