Dutzende Tote bei zahlreichen Angriffen und Kämpfen

26. April 2004, 19:54
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Anschläge auf irakische Öl-Terminals im Golf verhindert - US-Streitkräfte kündigen Angriff auf Najaf an

Bagdad - Bei zahlreichen Anschlägen, Explosionen und Angriffen sind am Wochenende im Irak dutzende Menschen getötet worden. US-Marine-Infanteristen töteten nach US-Militärangaben am Samstag in einem Gefecht in der Nähe der irakischen Stadt Falluja rund 30 Aufständische. In Bagdad wurden vier Schulkinder erschossen. Augenzeugen zufolge fielen die Gewehr-Schüsse auf die Schulkinder kurz nach einem Bombenanschlag auf ein US-Militärfahrzeug. Besatzungstruppen konnten Anschläge auf irakische Öl-Terminals in letzter Minute verhindern. Das US-Militär kündigte einen Angriff auf Najaf an.

Die Kinder, alle im Alter von zwölf Jahren, hätten ihre Schule im Osten Bagdads verlassen, um sich das brennende Auto anzuschauen, sagten Augenzeugen. Als die Schüler und andere Passanten jubelnd um das Fahrzeug herumgestanden hätten, habe jemand auf sie gefeuert. Mindestens fünf weitere Menschen seien durch Schüsse verletzt worden hieß. Von der US-Armee war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Zwei Tote in Diwaniyah

Spanische Soldaten haben in der irakischen Stadt Diwaniyah bei einem Feuergefecht zwei Angreifer erschossen, wie der spanische Rundfunk am Sonntag unter Berufung auf Militärkreise berichtete. Die irakischen Angreifer hatten nach diesen Angaben zuvor amerikanische Militärs angegriffen und zwei US-Soldaten verletzt. Die Spanier hätten eingegriffen, um den Amerikanern beizustehen und die Verletzten in Sicherheit zu bringen, hieß es.

Die beiden verletzten US-Soldaten seien in den spanischen Stützpunkt in Diwaniyah gebracht worden. Von den Spaniern sei niemand verletzt worden. Zu dem Feuergefecht war es demnach gekommen, als die Besatzungstruppen ein verdächtiges Auto gestoppt hatten. Das Fahrzeug sei mit Sprengstoff beladen gewesen, hieß es.

Raketenangriff

In Mossul (Mosul) im Norden des Landes trafen Raketen mehrere Gebäude und töteten ebenfalls sieben Iraker. Die Raketen in Mossul schlugen in einem Krankenhaus, in einem Hotel, in einer Fernsehstation und in einem Polizeigebäude ein. 13 Menschen seien verletzt worden.

Ein achter Iraker wurde bei dem Angriff auf einen US-Militärkonvoi in Mossul von US-Soldaten erschossen, wie die Polizei mitteilte. Zwei weitere Angreifer hätten die Flucht ergriffen.

Anschlag in Hasua

Ein schwerer Anschlag ereignete sich am Samstag in der Stadt Hasua südlich von Bagdad: Eine am Straßenrand versteckte Bombe zerriss einen Bus. 13 Passagiere und Passanten kamen nach Krankenhausangaben ums Leben.

Im überwiegend von Schiiten bewohnten Bagdader Viertel Sadr-City schlugen mehrere Mörsergranaten ein. Eine Granate explodierte auf einem überfüllten Markt, dabei wurden nach irakischen Angaben sechs Menschen getötet und fast 40 verletzt. Ein Raketenangriff auf den US-Stützpunkt Taji nördlich von Bagdad tötete am Samstag vier US-Soldaten, wie ein Militärsprecher mitteilte. Sechs weitere seien verwundet worden.

Angriff auf Öl-Verladestationen

Die US-geführten Truppen verhinderten Terroranschläge auf die wichtigsten irakischen Öl-Verladestationen im persischen Golf in letzter Minute. Drei mit Sprengstoff beladene Kleinboote wurden am Samstag in der Nähe von zwei Terminals 160 Kilometer vor dem irakischen Hafen Umm Kasr zur Explosion gebracht, nachdem sie von Truppen entdeckt worden waren. Zwei amerikanische Matrosen kamen ums Leben, als ihr Schiff von einer der Detonationen umgeworfen wurde.

Es war der erste Angriff gegen irakische Öleinrichtungen auf See seit Beginn des Irak-Kriegs im März vorigen Jahres. Die beiden Seeleute wurden laut Mitteilung der US-Streitkräfte getötet, als sie eines der Boote nahe des Ölterminals Chaur el Amaja aufbringen wollten. Als ein achtköpfiges Kontrollteam sich dem Boot genähert habe, sei es in die Luft gesprengt worden. Die beiden anderen Boote explodierten in der Nähe des Terminals El Basra. Die Verladung von Öl musste für einige Stunden unterbrochen werden.

Angriff geplant

Unterdessen planen die US-Streitkräfte, in die Stadt Najaf vorzudringen, in der sich der radikale Schiitenführer Muktada al Sadr aufhält. Schiitische Geistliche warnten, ein Sturm auf Najaf könne einen Aufstand der Schiiten im ganzen Land auslösen. Bei der geplanten Militäraktion zur Zerschlagung der Al-Mahdi-Miliz Sadrs solle die Altstadt mit ihren Heiligtümern ausgenommen bleiben, sagte Brigadegeneral Mark Hertling.

Frankreich nannte unterdessen seine Bedingungen, unter denen es sich an der Stabilisierung des Irak beteiligen würde: Erst wenn eine legitimierte irakische Regierung Unterstützung anfordere und die Verantwortung für den Wiederaufbau an die UNO übergeben worden sei, könne Paris Truppen entsenden, sagte Verteidigungsministerin Michele Alliot-Marie bei einem Besuch in den Vereinten Arabischen Emiraten.

Saudische Unterstützung

Saudiarabien unterstützte die US-Invasion vor einem Jahr weit stärker als bisher bekannt, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Tausende Soldaten von Sondereinheiten durften ihre Aktionen von saudiarabischem Territorium aus beginnen, räumten Regierungsmitarbeiter in Riad und Washington ein. Zudem starteten die Luftwaffen der USA und anderer Koalitionsmitglieder Bombenangriffe, Aufklärungsflüge und Geheimdienstmissionen von saudiarabischen Stützpunkten aus. Bisher hatte die US-Regierung lediglich bestätigt, dass der Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkt genutzt worden sei. (APA/AP/Reuters)

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    Vier Kinder wurden erschossen, als sie und weitere Passanten den Bombenanschlag auf ein US-Fahrzeug bejubelten.

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