Denktas lehnt Rücktritt als Volksgruppenführer ab

26. April 2004, 01:19
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Regierungschef Talat: "Kein Platz" für ihn in neuer Ära - Beide Politiker fordern Embargo-Aufhebung

Lefkosa/Istanbul - Der türkisch-zypriotische Volksgruppenführer Rauf Denktas lehnt einen Rücktritt ab, obwohl die Wähler im türkischen Teil Zyperns am Samstag gegen seinen erklärten Willen mit großer Mehrheit für den Friedensplan von UN-Generalsekretär Kofi Annan zur Wiedervereinigung der Insel gestimmt haben. "Unsere Kampagne war erfolgreich: Der Annan-Plan ist vom Tisch", sagte Denktas am Abend in einer vom türkischen Fernsehen TRT live übertragenen Pressekonferenz im türkischen Teil Nikosias. "Ich habe keinen Anlass zum Rücktritt", sagte der 80-jährige weiter.

Kurz zuvor hatte Denktas' innenpolitischer Gegenspieler im türkischen Teil Zyperns, der pro-europäische Regierungschef Mehmet Ali Talat, den sofortigen Rücktritt des Volksgruppenführers verlangt. "In der neuen Ära, die jetzt beginnt, ist für Herrn Denktas kein Platz", sagte Talat. Während Denktas vor dem Referendum zu einer Ablehnung des UN-Plans zur Gründung eines neuen Bundesstaates auf Zypern aufgerufen hatte, war Talat der Anführer der Vereinigungs-Befürworter.

Isolierung beenden

Denktas rief die internationale Gemeinschaft auf, die Isolierung der bisher nur von der Türkei anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern" zu beenden. Auch Talat sagte, es gebe keinen Grund mehr für das bisherige Handelsembargo gegen den türkischen Inselteil. Die Türken auf Zypern seien nicht für das Scheitern der Wiedervereinigung verantwortlich.

"Wenn der Annan-Plan angenommen worden wäre, wäre ich zurückgetreten. Doch er wurde nicht angenommen, und daher sehe ich auch keine Notwendigkeit, dies zu tun", sagte Denkas wörtlich zu Journalisten. Der Wiedervereinigungsplan von UNO-Generalsekretär Kofi Annan hätte nur dann in Kraft treten können, wenn er in beiden Landesteilen beim Referendum Zustimmung gefunden hätte. (APA)

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