Hamburgs höchstes gemauertes Bauwerk gesprengt

27. April 2004, 10:15
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In nur 9,5 Sekunden stürzte Erdgaskraftwerk Moorburg von 1971 ein - Kurzschluss unterbrach Stromversorgung in benachbarten Raffinerien

Hamburg - Hamburgs höchstes gemauertes Bauwerk ist Samstag früh gesprengt worden. Nur 9,5 Sekunden dauerte es, bis der 256 Meter hohe Schornstein des stillgelegten Gas-Kraftwerks Moorburg in sich zusammenfiel. Allerdings verlief die Sprengung nicht ganz nach Plan. "Teile des Schornsteins sind auf die nebenliegende Schaltanlage gefallen. Dadurch kam es zu einem Kurzschluss", sagte Karen Nakamura, Sprecherin der Hamburger Elektrizitätswerke HEW, die das Kraftwerk 1974 in Betrieb nahmen.

Kurzschluss verursacht

Wegen des Kurzschlusses sei die Stromversorgung von zwei benachbarten Raffinerien unterbrochen worden. Dort verhinderten Notstromaggregate weitere Komplikationen. Im Hamburger Stromnetz sei der Kurzschluss nur mit einem kurzen Spannungseinbruch zu spüren gewesen, der aber kaum eine Sekunde gedauert habe, erklärte Nakamura. Für die mehreren hundert Schaulustigen habe aber zu keiner Zeit Gefahr bestanden. Die Hamburger Polizei hatte das Gelände an der Süderelbe im Umkreis von 500 Metern abgesperrt.

300 Kilogramm Sprengstoff des Typs "Gelamon", 1.300 Zünder und 400 Meter Zündschnur verbrauchte die Sprengfirma TVF Altwert für den Abriss des Schornsteins. Eine so genannte Faltsprengung ließ den 15.000 Tonnen schweren Turm wie eine Ziehharmonika zusammenfallen.

Erdgaskraftwerk in Moorburg von 1971

Einst war das 1971 erbaute Erdgaskraftwerk in Moorburg mit 1.000 Megawatt Leistung das zweitgrößte seiner Art in Deutschland. Doch die gestiegenen Gaspreise und alternative Wege der Stromerzeugung machten das Werk unwirtschaftlich. 2001 wurde es stillgelegt. Von dem Kraftwerk, dass bis zu seiner Schließung insgesamt 46 Milliarden Kilowattstunden in das Netz geliefert hatte, bleiben nur rund 35.000 Tonnen Schutt übrig. Denn am Abend sollten auch die zwei jeweils 90 Meter hohen Kesselhäuser des Kraftwerkes gesprengt werden.

9.000 Euro kosten allein die Sprengungen, insgesamt drei Millionen Euro zahlen die HEW dafür, dass die Anlage geräumt wird. Die weitere Nutzung des Geländes ist nach HEW-Angaben noch unklar. (APA/AP)

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