USA hoffen auf längere Truppenpräsenz anderer Staaten

26. April 2004, 09:23
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Überzeugungsversuche Powells - Norwegen bleibt bei Truppenabzug bis 1. Juli und will sich danach auf Stabilisierungsaufgaben in Afghanistan konzentrieren

Washington/Oslo - Nach dem angekündigten Truppenabzug mehrerer Staaten aus dem Irak setzen die USA darauf, dass andere Staaten ihre Soldaten länger als bisher geplant in dem Land belassen. US-Außenminister Colin Powell sagte am Freitag in mehreren Medieninterviews, er hoffe, dass Norwegen, die Niederlande und El Salvador ihre zusammen rund 2.000 Soldaten länger als ursprünglich geplant im Irak stationiert halten.

Norwegen bleibt bei Truppenabzug bis 1. Juli

Norwegen erklärte jedoch umgehend, bei seinen Planungen für den Abzug seiner 180 Soldaten nach der Machtübergabe im Irak Ende Juni zu bleiben. "Wir müssen bei unseren ursprünglichen Plan einer Stationierung bis zum Sommer bleiben", sagte Außenminister Jan Petersen.

Außenminister Peterson: Auch Powell konnte mich nicht überzeugen

Außenminister Jan Petersen sagte am Samstag in einem Interview des norwegischen Fernsehsenders NRK, auch sein US-Amtskollegen Colin Powell habe ihn bei einem Gespräch am Vortag in Washington nicht überzeugen können, die Pläne zu revidieren.

Spanien ist bereits dabei, seine 1.300 Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Ende dieser Woche hatten Honduras und die Dominikanische Republik entschieden, diesem Schritt zu folgen und ihre insgesamt 400 Soldaten schnellstmöglich nach Hause zu holen. Thailand will seine 450 Mann zurückziehen, wenn sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert. Das größte Truppenkontingent im Irak stellen mit 130.000 Soldaten die USA, gefolgt von den Briten mit 8.700 Mann. Bisher standen zudem rund 15.000 Soldaten aus mehr als 30 anderen Nationen im Irak.

Norwegen will sich auf Stabilisierungsaufgaben in Afghanistan konzentrieren

Die Osloer Entscheidung begründete Außenminister Petersen mit der zum 1. Juli vorgesehenen Übergabe der Regierungsgewalt an die irakischen Behörden. Norwegen wolle sich danach stärker auf Stabilisierungsaufgaben in Afghanistan konzentrieren und verfolge damit seit langem fest stehende Pläne. Sie hätten nichts mit dem spanischen Truppenabzug zu tun, die Norwegens Regierung bedauerlich finde.

Powell hofft auf Überzeugungskraft der UN-Resolution

Powell sagte, er setze darauf, dass die von den USA vorangetriebene Verabschiedung einer UN-Resolution für den Irak einige Länder überzeugen könne, länger als bisher geplant an ihrem Irak-Engagement festzuhalten. Mit der UN-Resolution soll die Rolle der Vereinten Nationen im Irak geklärt werden. Zahlreiche Staaten fordern ein größere Beteiligung der UN an der Gestaltung der Zukunft des Landes.

Die USA und Großbritannien waren im März 2003 ohne eine ausdrückliche UN-Resolution in den Irak einmarschiert. Die US-geführten Koalitionstruppen sehen sich inzwischen beinahe täglich Anschlägen von Besatzungsgegnern ausgesetzt und haben in den vergangenen Monaten hohe Verlust erlitten. In diesem Monat hatten Spanien, Honduras und die Dominikanische Republik angekündigt, ihre insgesamt etwa 2.000 Soldaten aus dem Irak abzuziehen. (APA/Reuters/dpa)

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