Misshandlungen: Linzer Pflegeskandal wird zum Politstreit

25. April 2004, 20:57
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Gerüchte über "dubioses Schweigegelübde" - Stadt setzt als Konsequenz Expertengruppe ein

Linz - Die mutmaßlichen Misshandlungen in einem Linzer Seniorenheim sorgen weiter für heftige Diskussionen. Die Stadt Linz zog aus dem am Donnerstag veröffentlichten belastenden Prüfbericht der Heimaufsicht des Landes erste Konsequenzen.

Eine Expertengruppe - bestehend aus der Pflegeleitung, Vertretern der Stadt und Ärzten - werde "die bestehenden Qualitäts- und Ablaufregeln zur Sicherung der Pflegestandards nochmals evaluieren und optimieren", sagte die Linzer Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer (SP).

Politisches Nachspiel

Als eine weitere Sofortmaßnahme habe man angeordnet, dass bei "jedem ungewöhnlichen Vorfall die politische Referentin und die weiteren Vorgesetzten zu informieren sind". Außerdem sei jetzt bei "jedem unerklärlichen Hämatom sofort der Heimarzt beizuziehen", betonte Holzhammer.

Abseits der mutmaßlichen Misshandlungen von sieben Pflegebedürftigen durch einen Pfleger weitet sich die Affäre immer mehr auch zu einem politischen Schlagabtausch aus. Der Direktor der Linzer Seniorenzentren, Johann Schalk, wehrte sich am Freitag im Gespräch mit dem STANDARD erneut gegen die massiven Vorwürfe von Soziallandesrat Josef Ackerl (SP), es habe vonseiten der Direktion die Weisung gegeben, die Vorfälle "bewusst zu vertuschen". Er habe niemandem einen "Maulkorb umgehängt" und sofort nach dem Bekanntwerden der Verdachtsfälle - rechtlich einwandfrei - reagiert, sagte Schalk. "Ich kann mir nicht erklären, warum mich Ackerl jetzt fertig machen will. Vielleicht äußert sich so die gekränkte Eitelkeit des Herrn Landesrats."

Dubioses Schweigegelübde

Auch die Linzer Volkspartei forderte am Freitag eine "rasche Aufklärung". Wenn es tatsächlich ein "dubioses Schweigegelübde" gegeben habe, so sei dies "eine Gefahr für die Bewohner der Linzer Seniorenheime, und möglicherweise sind dadurch auch andere Misshandlungen noch gar nicht bekannt geworden", erklärte der Linzer VP-Klubobmann Thomas Stelzer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 24/25.4.2004)

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