Schuschniggs Sturmschar

23. April 2004, 20:00
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Im Unterschied zur Heimwehr konnte sich das Ständestaat-Regime auf Schuschniggs 1930 gegründeten Wehrverband eisern verlassen

Der Tiroler christlichsoziale Politiker Kurt Schuschnigg begegnete der Heimwehr schon früh mit Misstrauen. Die Idee, eine zur Christlichsozialen Partei loyale Kampftruppe zu bilden, kam aus der Tiroler katholischen Jugend und wurde vom damaligen Parlamentsabgeordneten Schuschnigg aufgegriffen: 1930 wurden die "Ostmärkischen Sturmscharen" - OSS (sie nannten sich in der Tat so und nicht "österreichisch") gegründet. Mit dem Christusmonogramm als Symbol marschierten sie - im Unterschied zum Grün der Heimwehren in den hechtgrauen Uniformen der k. u. k. Armee - als militärische Organisation erstmals beim Katholikentag 1933 auf.

Zusammen mit der Heimwehr bekamen sie in diesem Jahr den Status einer Hilfspolizei. Dollfuß übernahm die Ehrenführung des Verbandes, Schuschnigg war dessen Führer und blieb es auch als Kanzler. Er legte immer Wert auf die Feststellung, dass die OSS keineswegs seine Privatarmee waren. Und er betont in seinen Memoiren, dass die Ausrüstung dieses "Schutzkorpsverbandes" ausschließlich aus österreichischen Quellen stammte und - Spitze gegen die Heimwehr - "niemals vom Ausland Subventionen oder Waffen bezogen wurden".

Die OSS gaben sich in ihrem Programm betont katholisch. "Jeder Sturmschärler weiht sein Leben Gott und dem Vaterlande", besagt dessen erster Artikel. "Er kämpft für den christlichen Staat und daher für die Rechte der Kirche. Er will katholischer Ostmarkdeutscher sein und glaubt an die Sendung dieses Stammes . . ." Die kurzlebige OSS-Wochenzeitschrift Sturm über Österreich wurde 1934 vom Bundeskommissariat für Propaganda (auch so was gab's) herausgegeben.

Die Heimwehrführer betrachteten den neuen Kampfverband mit scheelen Augen, zumal er ja im selben Reservoir wie sie nach Mitgliedern fischte. Auch ideologisch stimmten die OSS nicht voll mit dem faschistischen Kurs der Heimwehr überein. Sowohl gegen die nationalistischen Tendenzen des Tiroler Heimwehrführers Steidle und seines Stabschefs Waldemar Pabst - eines deutschen Freikorpskämpfers - als auch gegen das Staatsprogramm des "Korneuburger Eids" bestand anfänglich Distanz.

Im gemeinsamen Kampf gegen die sozialdemokratischen Schutzbündler im Februar 1934 traten diese Gegensätze zurück. Allerdings wurde die Kampfkraft der OSS von Exekutive und Heimwehr gering geschätzt, sodass einige besonders eifrige Mitglieder das Ansehen ihres Verbandes "auf wenig gottgefällige Weise dadurch aufzupolieren suchten, dass sie toten Schutzbündlern die grauen OSS-Uniformen anzogen, damit sie stolz auf ihre Opfer verweisen konnten" (Michael Kraßnitzer*).

Sturmschärler waren nicht nur Bewacher im Anhaltelager Wöllersdorf, sie dürften auch die zwei Opfer fordernden Todesschützen beim Überfall auf eine illegale sozialdemokratische Versammlung auf der Predigtstuhlwiese bei Kaltenleutgeben im Juli 1934 gewesen sein (Rudolfine Muhr). Der Wiener OSS-Landesführer Jakob Kastelic wurde übrigens, ebenso wie der zeitweilige Heimwehr-Bundesführer Richard Steidle, in einem deutschen Konzentrationslager ermordet.

Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1936 wurden auch die OSS als Kampfverband aufgelöst; ein speziell auf Schuschnigg ausgerichtetes "Sturmkorps" trug danach schwarze Uniformen. (Manfred Scheuch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25. 4. 2004)

*In "Widerstand in Hietzing", Edition Volkshochschule, Wien 2004.
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    Kurt Schuschnigg

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