Das Ende der "Welt AG"

13. Juli 2004, 14:32
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Heute sind die Fusionen, die wirklich den Unternehmen und Eigentümern mehr Wert gebracht haben, in der Minderzahl - Kommentar von Michael Moravec

Noch vor zwei Wochen hat DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp Kritik an seiner Auslandsstrategie recht locker vom Tisch gewischt. "Bei einem operativen Problem ändern wir nicht die Strategie, sondern bringen das Geschäft in Ordnung." So einfach ging das bei Mitsubishi aber offensichtlich nicht. Nachdem der deutsch-amerikanische Konzern einige Milliarden Euro in die Gesundung von Mitsubishi investiert hat, stellte sich das Engagement als Fass ohne Boden heraus. "Jetzt sind wir eine Welt AG", freute sich Schrempp im März 2000, als er die Zusammenarbeit mit den Japanern fixierte. Vier Jahre später ist seine "Welt AG" spektakulär gescheitert - und schon werden Stimmen laut, die auch das Engagement von Daimler in den USA bei Chrysler hinterfragen.

Immerhin haben die beiden Konzerne zusammen seit der Fusion 1998 fast 40 Milliarden Euro an Wert verloren - den österreichischen Bundeshaushalt eines Jahres. Interessant, wo Daimler ohne die Abenteuer von Schrempp-Vorgänger Edzard Reuter in Raumfahrt und Konsumentenbereich und ohne die Welt AG jetzt stünde.

Und interessant wäre auch, was nun all die Unternehmensberater und Konsulenten zu ihren bunten PowerPoint-Präsentationen sagen, mit denen sie in den 90er-Jahren landauf und landab beweisen wollten, dass nur drei oder vier Autokonzerne, drei oder vier Stahlkonzerne, drei oder vier Airlines im globalen Wettbewerb überleben würden. Heute sind die Fusionen, die wirklich den Unternehmen und Eigentümern mehr Wert gebracht haben, in der Minderzahl - vor allem, weil die psychologischen Barrieren, der Faktor Mensch, unterschätzt wurden. Diejenigen, die alleine blieben, sind zumeist erfolgreicher. Eine Welt ohne Welt AGs - das ist ein recht sympathischer Gedanke. (Der Standard, Printausgabe, 24.04.2004)

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