Weltbank: Südliches Afrika das Armenhaus der Welt

26. April 2004, 21:04
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Große regionale Unterschiede bei Fortschritten Die Armut in der Welt nimmt ab, und zwar rasch", drastische Verschlechterung

Washington - Das südliche Afrika entwickelt sich nach neuesten Zahlen der Weltbank immer mehr zum Armenhaus der Welt. Die Armut in anderen Entwicklungsländern dagegen hat in letzten Jahren teils drastisch abgenommen. "Es gibt eine gute Neuigkeit: Die Armut in der Welt nimmt ab, und zwar rasch", sagte Weltbank-Chefökonom Francois Bourguignon am Freitag beim Frühjahrstreffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Washington. Vor allem die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung in Südostasien, speziell in China, seien für die positive Gesamtentwicklung verantwortlich.

"Drastische Verschlechterung"

Dort habe ein hohes Wirtschaftswachstum nach Reformen maßgeblich dazu beigetragen, die Armut zurückzudrängen. Im südlichen Afrika dagegen habe sich die Situation drastisch verschlechtert. Inzwischen komme jeder Dritte, der mit weniger als einem Dollar (0,841 Euro) am Tag auskommen müssen, aus der Sub-Sahara-Region, 2015 könnte es jeder Zweite sein. Ohne viel mehr Hilfen und ohne den Abbau von Handelsschranken für Agrargüter sei eine Trendumkehr kaum zu schaffen.

Millenium-Ziele

Die Weltbank berichtete über die Forschritte auf dem Wege zum Erreichen der so genannten Millenium-Ziele, auf die sich im Jahr 2000 insgesamt 1989 Länder verständigt hatten. Darin wird beispielsweise angestrebt, den Anteil der Menschen in der Welt, die von weniger als einem Dollar am Tag leben und die unter ständigem Hunger leiden, bis 2015 gegenüber dem Jahr 1990 zu halbieren. Der Kindersterblichkeit soll weltweit um zwei Drittel reduziert werden, ebenso die Sterblichkeit von Müttern bei der Geburt. Darüber hinaus sollen in den Entwicklungsländern möglichst viele Kinder Zugang zu Schulen erhalten, insbesondere auch Mädchen. Darüber hinaus soll die Wirtschaftsentwicklung in den armen Ländern verbessert und beschleunigt werden. Insgesamt sei das Erreichen der Millenium-Ziele bis 2015 zwar global gesehen zumindest in Teilbereichen möglich - in etlichen Ländern im südlichen Afrika verschlechtere sich die Lage aber weiter.

Regionale Unterschiede

Gekennzeichnet ist die Armutsentwicklung nach den Worten von Bourguignon durch drastische regionale Unterschiede in den einzelnen Entwicklungsländern. Gegenüber 1981 sei der Anteil von Armen in der Welt von rund 40 Prozent auf 21 Prozent im Jahr 2001 bereits fast halbiert worden. Gegenüber dem Basisjahr der Millenium-Ziele, 1990, betrage die Absenkung dieser Quote neun Prozentpunkte. Allerdings lebten immer noch mehr als eine Milliarde Menschen in völliger Armut, mehr als zwei Milliarden Menschen leben momentan von weniger als zwei Dollar am Tag. Es sei vor allem China, das die Zahl der Armen im Lande seit 1980 um rund 400 Millionen Menschen abgebaut habe, wozu ein Wirtschaftswachstum von im Durchschnitt 8,5 Prozent beigetragen habe. Der Armuts-Anteil der gesamten Regionen Ostasien und Pazifik ging zwischen 1981 und 2001 von knapp 58 Prozent auf unter 16 Prozent zurück.

Armutsquote

Dagegen nahm im südlichen Afrika die Armutsquote in den letzten 20 Jahren noch um fünf Punkte auf über 46 Prozent zu. Die Zahl der Armen verdoppelte sich gegenüber 1981 auf über 300 Millionen. Ein Hauptgrund liegt der Weltbank zufolge im Schrumpfen der Wirtschaft um insgesamt 14 Prozent seit 1981. Einhergehend damit ging die Lebenserwartung seit 1990 von im Durchschnitt 50 Jahre auf rund 46 Jahre zurück, was vor allem an der AIDS-Epidemie liegt. Daher brauche die Region dringendst Hilfe der reichen Länder, alleine könne sie die Probleme nicht bewältigen. Die Industrieländer müssten vor allem ihre Handelsbarrieren gegen Agrargüter aus Afrika abbauen. Dabei gehe es um ein geschütztes Handespotenzial von rund 300 Milliarden Dollar zu Lasten der Agrarproduzenten in den armen Ländern. Die Entwicklungshilfe müsse drastisch verstärkt werden.

Kindersterblichkeit

Ebenso ungleichgewichtig wie in der Armutsbekämpfung sehe es auch beim Kampf gegen andere Mangelentwicklungen aus. So fällt nach Weltbank-Angaben zwar die Quote der Kindersterblichkeit im globalen Maßstab, wenn auch in den ärmsten Ländern mit einem Rückgang von zwölf Prozent weit weniger stark als angestrebt. In einzelnen Ländern wie etwa dem Irak, Niger und Sierra Leone sehe es weiterhin dramatisch aus. Gleiches gelte für die Sterblichkeit von Müttern bei Geburten. Im Irak etwa liege die Müttersterblichkeit um das 175-fache über der in Westeuropa und in Nordamerika. Dort sterbe jede 16. Frau bei oder im Gefolge einer Geburt. (APA/Reuters)

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