Analyse: Ferrero-Waldner - Nicht die erste Frau ohne Nachnamen

25. April 2004, 16:57
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ÖVP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner musste im Wahlkampf ihren Nachnamen abgeben - Die Frisur der Frau im Rennen um die Hofburg stand mindestens so zur Debatte wie ihre Version von Feminismus

Als Erstes wurde ihr der Nachname weggenommen und ein Herz verpasst - ganz dem Klischee entsprechend, dass der eigene Name von Frauen eine disponible Größe und ihre größte Stärke "das Herz" sei: Als Benita, die Frau mit Herz, wurde Außenministerin Ferrero-Waldner von der ÖVP wahlkampfkompatibel gemacht und in den Kampf um die Hofburg geschickt.

Als zentrales Abwehrschild für die Wahlkampfauseinandersetzung drückten die Parteistrategen der schwarzen Hofburgaspirantin die Sanktionen der EU-14 gegen Österreich nach der Bildung der schwarz-blauen Regierung in die Hand. Ferrero-Waldner vertraute aber auch in den letzten Monaten auf ihr, wie sie selbst einmal sagte, "Kampflächeln". In ihrem Buch heißt es: "Wer zuletzt lächelt, hat sich durchgesetzt."

Mit Lächeln war es in diesem Wahlkampf allerdings nicht getan. Nach ihrer etwas unbeholfenen Aussage: "Ich persönlich bin ein Mensch mit Herz", wurde die Strategie mit der Präsidentin der Herzen vorsichtig umgewandelt in die "Löwin" mit Kämpferherz, die mit "101 Staatschefs in deren Sprache spricht" und die "Türen und Tore" der Hofburg öffnen will - als "Erste".

Die Frauenschiene, mit der die ÖVP natürlich sehr bewusst spekuliert hat - "Benita" ist zwar nicht die erste Kandidatin, aber die erste mit realistischen Chancen, wirklich Erste zu werden - erwies sich indes schnell mehr als Handicap denn als Atout. Von den beiden Kandidaten wurde nur die Frau permanent einem politischen Lackmustest in Sachen Feminismus unterzogen.

Die Farbe ihrer Kostüme und ihre Frisur wurden von einer Heerschar selbst ernannter Style-Experten seitenweise interpretiert und kritisiert. Glücklich darf sich wähnen, wer nur aus der Arbeitsmontur in Grau, Blau oder Schwarz auszuwählen hat und auch frisurtechnisch mit einem Schnitt durch Zeiten und Zeitenwenden kommt . . .

Handelsreisende

Programmatisch bot die 55-Jährige das an, was SP-Konkurrent Heinz Fischer spiegelgleich auf seiner Seite tat: nämlich das, was sie am besten kann. Die langjährige Diplomatin mit Hang zum Fettnäpfchen auf protokollarisch ungesichertem Terrain will den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten dorthin verlagern, wo sie beruflich herkommt: ins Ausland. Wenn sie gewinnt, will die Frau mit dem für viele so unaussprechlichen Vornamen ("Benito") quasi als erste Handelsreisende der Nation - begleitet von "First Professor" Francisco Ferrero Campos - aktiv sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.4.2004)

Von Lisa Nimmervoll
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