Mit Arbeitsplätzen die Kriminalität bekämpfen

21. Juli 2004, 19:03
posten

Jobs und Bekämpfung der Armut ist laut Fikile Mbalula, dem Generalsekretär der ANC-Jugendliga, die größte Herausforderung

Wien - "Eine bessere Lebensqualität für die Menschen in Südafrika, die Schaffung von Jobs und der Kampf gegen die Armut, das sind die Herausforderungen, die wir nach unserem Wahlsieg angehen wollen. Dazu sind wir nun verpflichtet", erklärt Fikile Mbalula, der Generalsekretär der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC).

Der Sieg bei den dritten demokratischen Parlamentswahlen in der Vorwoche hatte dem ANC eine Zweidrittelmehrheit im südafrikanischen Abgeordnetenhaus beschert. "Das ist doch ein eindeutiges Zeichen, dass die Menschen quer durch alle Rassen uns vertrauen", freute sich Mbalula am Freitag in Wien gegenüber dem STANDARD: "Die Wähler haben einen Gesellschaftsvertrag mit dem ANC geschlossen, damit wir ihre Lebensumstände binnen fünf bis zehn Jahren verbessern."

Sozialstaat

Ob die Wähler genügend Geduld aufbringen würden, noch einige Jahre zu warten? Für Mbalula aus der Kaderschmiede des ANC, dem einst auch Nelson Mandela angehörte, ist das keine Frage: "Die Leute sehen doch, was sich alles zum Besseren verändert." Der Sozialstaat müsse weiter ausgebaut, mehr Geld in Ausbildung investiert werden. Diese Entwicklung müsse nachhaltig sein und dafür sei ein Wachstum der Wirtschaft wichtig, das der ANC ermöglichen werde.

Gäbe es genügend Jobs und weniger Armut, würde auch die derzeit allgegenwärtige Kriminalität in Südafrika geringer werden, glaubt Mbalula: "Wenn wir die Armut bekämpfen, bekämpfen wir auch die Kriminalität. Wenn jeder Südafrikaner am Ende des Tages weiß, dass er etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf hat, wird Kriminalität kein Problem mehr sein."

"Technokratisches Auftreten"

Kritik am technokratischen Auftreten vom frisch bestätigten Präsidenten Thabo Mbeki will Mbalula nicht akzeptieren: "Der Präsident ist ebenso wie der ANC fest im Volk verankert." Das beweise ja auch das Wahlergebnis, dass man ohne den Wahlkampfeinsatz der ANC-Ikone Nelson Mandela erreicht habe. Dass Mbeki ein kalter Technokrat sei, ist für Mbalula eine Erfindung missgünstiger Medien.

Selbstverständlich werde Südafrika auch weiterhin ein Garant für Demokratie auf dem Kontinent sein, betont der Jugendfunktionär. Allerdings werde man beispielsweise im Fall von Simbabwe nicht den "Erfüllungsgehilfen" der westlichen Welt spielen, sondern seine stille Diplomatie weiterführen. Ob die Befreiungsbewegung ANC nicht gegen Simbabwes Despoten Robert Mugabe härter vorgehen müsse? "Nein", meint Mbalula, "wir haben unsere eigenen Methoden." (Gerhard Plott/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.4.2004)

Zum Thema

"Ein positives, weltweites Signal" - Interview mit dem Vorsitzenden des Dokumentations- Zentrums Südliches Afrika über Erfolge und Misserfolge seit dem Ende der Apartheid

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archivbild eines Streiks gegen Privatisierung in Johannesburg im Jahr 2000.

Share if you care.