Prognose von Krenkel: "Es wird ein sehr knappes Rennen"

25. April 2004, 17:03
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Der Wahlkampfleiter von Ferrero-Waldner im STANDARD-Interview über den agriffigen VP-Stil: "Das ist Ansichtssache"

Standard: Wie lautet Ihre Bilanz des zu Ende gehenden Präsidentschaftswahlkampf?

Krenkel: Es waren sehr interessante Monate. Am Beginn haben noch alle gesagt, dass man eigentlich gar keinen Wahlkampf führen müsse, da die Sache schon so eindeutig sei. Wir haben dann aber einen jugendlicheren, frischeren Wahlkampf geführt. Wir haben auch neue Mittel eingesetzt, wie etwa den Weblog oder die Briefmarke.

Standard: Worin unterschieden sich die Strategien der beiden Kandidatenteams?

Krenkel: Wir haben durch die vielen Bürgerkomitees eine Bewegung von unten kreiert und stärker auf direkten Kontakt gesetzt. Unsere Plakate waren farblich frei und frisch, die der Konkurrenz dunkel und staatstragender.

Standard: Warum war der VP-Wahlkampf im Vergleich zu dem der SPÖ so angriffig?

Krenkel: Das ist doch immer Ansichtssache. Wir haben mehr Themen gebracht, die andere Seite hat versucht, die generelle Regierungspolitik ins Spiel zu bringen. Während wir mehr das Amtsverständnis und Ferrero-Waldners Qualifikationen aufzeigten, kam die SPÖ mit den Pensionen und Krankenkassen. Ich weiß nicht, was da "angriffiger" ist.

Standard: Sie haben selbst von "Untergriffen gesprochen, die ins Geschmacklose gehen". Was sprechen Sie an?

Krenkel: Ich habe da generell über Sachen gesprochen, die im Wahlkampf vorgekommen sind und eigentlich nicht sein sollten. Ich meine, dass so etwas auch nichts bringt.

Standard: Warum dann der offene Brief von Lotte Ingrisch, in dem SP-Kandidat Heinz Fischer heftig kritisiert wird?

Krenkel: Frau Ingrisch hat, wie viele andere Leute auch, Leserbriefe geschrieben. Es muss doch jedem Bürger offen stehen, seine Meinung zu äußern - sei es in offenen Briefen.

Standard: Hätten Sie, rückblickend betrachtet, im Wahlkampf etwas anders oder gar nicht gemacht?

Krenkel: Das fragt man sich immer am Schluss. Aber hinterher ist jeder klüger. Wichtig ist, dass man sich eine Linie zurechtlegt und diese dann auch durchzieht.

Standard: Wie wird die Wahl ausgehen?

Krenkel: Es wird ein sehr knappes Ergebnis. Natürlich hoffe ich, dass Ferrero-Waldner gewinnt.

Standard: Was machen Sie ab Montag?

Krenkel: Zuerst werde ich die Reste des Wahlkampfes aufarbeiten. Dann werde ich mit Freude nach Liechtenstein zurückkehren.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2004)

  • Hinterher sei jeder klüger, meint Ferreros Wahlkampfleiter Florian Krenkel zur Frage, ob er etwas im Wahlkampf gerne anders gemacht hätte. Wichtig sei aber, der Linie treu zu bleiben, sagt er zu Peter Mayr.
    foto: standard/cremer

    Hinterher sei jeder klüger, meint Ferreros Wahlkampfleiter Florian Krenkel zur Frage, ob er etwas im Wahlkampf gerne anders gemacht hätte. Wichtig sei aber, der Linie treu zu bleiben, sagt er zu Peter Mayr.

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