Nachbar China gewährt humanitäre Nothilfe

25. April 2004, 21:15
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Nordkorea hatte nach Zugunglück um Hilfe gebeten: EU organisiert Soforthilfe für Opfer - USA wollen auch helfen, aber Beziehungen der Staaten sind gespannt

Genf/Peking/Dandong/Wien/Washington - Drei Tage nach der Bahnkatastrophe in Nordkorea ist am Sonntag die erste Hilfslieferung für die Opfer aus dem Ausland eingetroffen. Ein chinesischer Konvoi mit elf Lastwagen erreichte die nordkoreanische Grenzstadt Sinuiju unweit des Unglücksortes Ryongchon, berichtete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Zur Hilfslieferung gehören 300 Zelte, Nahrungsmittel wie Konserven und Nudel sowie andere Hilfsgüter.

Die chinesische Regierung hat dem Nachbarland Nordkorea humanitäre Hilfe in Höhe von 1,2 Millionen Dollar (1,010 Mill. Euro) für die Opfer der Zugkatastrophe von Ryongchon zugesagt. China werde Arzneien, Zelte und Nahrungsmittel in die durch eine Explosion verwüstete Stadt liefern, teilte das Handelsministerium am Samstag in Peking mit. Das Unglück habe "ernsthafte menschliche und wirtschaftliche Verluste verursacht", hieß es in einer offiziellen Erklärung.

In der chinesischen Grenzstadt Dandong trafen unterdessen mehrere nordkoreanische Regierungsvertreter ein. Der Konvoi aus Fahrzeugen mit abgedunkelten Scheiben sei von Beamten der chinesischen Volkspolizei über die Grenze geleitet worden, berichtete ein AFP-Reporter. Die Nordkoreaner wollten sich nicht zum Ziel ihres Besuchs äußern.

Kondolenz des chinesischen Präsidenten an nordkoreanischen Staatschef

Der chinesische Präsident Hu Jintao sprach dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il in einem Telegramm sein Beileid aus, wie das Außenministerium in Peking am Samstag bekannt gab. "Ich bin überzeugt, dass das koreanische Volk unter der Führung der Koreanischen Arbeiterpartei die Verluste durch dieses Unglück so schnell wie möglich meistern wird", hieß es in dem bereits am Freitag übermittelten Schreiben. Sein "tiefes Mitgefühl" gelte den Opfern und den Hinterbliebenen.

Britische Angaben über Tote und Verletzte um ein Vielfaches höher

Bei der schweren Zug-Explosion in Nordkorea sind nach britischen Angaben mehrere hundert Menschen getötet und Tausende verletzt worden. Diese Zahlen habe der britische Botschafter in Pjöngjang von nordkoreanischen Behördenvertretern erhalten, erklärte das britische Außenministerium am Freitag in London. Unterdessen lief die internationale Hilfe an. Die USA, Südkorea, Russland, Australien und Deutschland Pjöngjang boten Unterstützung an.

Nordkoreanisches Gesuch auch in Österreich

Auch in Österreich traf das nordkoreanische Gesuch um internationale Hilfe ein. Wie das Innenministerium zur APA sagte, gebe es "vorerst keine Veranlassung, tätig zu werden". Einerseits sei die Entfernung zu groß, andererseits gebe es derzeit noch zu wenig Informationen über das Unglück. Ein Hilfsangebot der UNO akzeptierte die Führung Nordkoreas bereits.

USA bieten Nordkorea nach Zugunglück erneut Hilfe an

Die US-Regierung hat Nordkorea im Zusammenhang mit dem schweren Zugunglück erneut ihre Unterstützung angeboten. Wenn Pjöngjang Hilfe anfordere, sei Washington dazu bereit, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Freitag. Enstprechend der eingehenden Informationen werde geprüft werden, ob es einen Bedarf oder eine Möglichkeit der Hilfe aus den USA gebe. Washington stehe in Kontakt mit mehreren Diplomaten und humanitären Organisationen in Nordkoreas Nachbarland China.

Gespanntes Verhältnis der USA zu Nordkorea

Die US-Regierung hatte bereits am Donnerstag Hilfe angeboten. Die Beziehungen zwischen Washington und Nordkorea sind gespannt: die US-Regierung bezichtigt den stalinistisch regierten Staat unter anderem, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten.

UNO-Hilfsangebot akzeptiert - EU-Soforthilfe

Ein Hilfsangebot der Vereinten Nationen (UNO) akzeptierte die Führung in Pjöngjang mittlerweile. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, sollte am Samstag auch ein Vertreter der Europäischen Union ins Unglücksgebiet reisen. Bei der schweren Zug-Explosion in der nordkoreanischen Stadt Ryongchon an der Grenze zu China wurden nach britischen Angaben mehrere hundert Menschen getötet und tausende verletzt. Diese Zahlen habe der britische Botschafter in Pjöngjang von nordkoreanischen Behördenvertretern erhalten, sagte eine Sprecherin des britischen Außenministeriums am Freitag in London.

Die Europäische Union organisiert Soforthilfe im Wert von 200.000 Euro für die Opfer. In Zusammenarbeit mit dem dänischen Roten Kreuz stellt die EU vor allem medizinische Hilfsgüter und Ausrüstung für Notunterkünfte bereit. Nach den Angaben werden sich EU-Experten auf Einladung der Behörden Nordkoreas an diesem Samstag am Unglücksort ein Bild von den Zerstörungen machen. (Reuters/APA/AP)

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