Starkes Finale mit schwacher Stimme

25. April 2004, 16:57
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Ferrero-Waldner zum Wahlkampf-Abschluss: "Geben Sie mir eine Chance zu beweisen, dass auch eine Frau ihren Mann stehen kann."

Wien - Die Stimme der Kandidatin war schwach, dafür dröhnte DJ Ötzi umso mehr. Bei der Abschlussveranstaltung der ÖVP am Wiener Graben am Freitagabend wurde noch einmal die gesamte schwarze Kampagnenpalette aufgeboten: Wohl dosierte Jugendlichkeit in Form von Tiroler Techno-Pop, geschlossene Regierungsreihen, angeführt vom Kanzler – und eine bemühte, bis zuletzt tüchtig kämpfende Kandidatin.

In ihrer Rede gab Benita Ferrero-Waldner das Motto für die letzten noch verbliebenen Wahlkampfstunden aus: "Wir haben eine tolle Aufholjagd hingelegt. Wir befinden uns jetzt auf der Zielgeraden und sind nun dabei, auf die Überholspur zu wechseln." Sie sei "glücklich und zufrieden", und sehe dem Sonntag mit "guten Gefühlen" entgegen. Sie wolle "frischen Wind in die Hofburg bringen". Als "überparteiliche, sachliche und faire" Präsidentin.

Ferreros abschließender Wahlaufruf wandte sich vor allem an Zögernde und Frauen: "Ich bitte Sie, gehen Sie am Sonntag zur Wahl. Geben Sie mir eine Chance zu beweisen, dass auch eine Frau ihren Mann stehen kann."

Damenphalanx

Ob die Aufholjagd für den ersten Platz reichen werde, darüber wollte Ferrero am Freitag nicht spekulieren. "Jedes Ergebnis, dass ein eins zu null bringt, ist ein gutes Ergebnis", meinte sie bei ihrer Pressekonferenz am Vormittag im Presseclub Concordia. Ob sie, angesichts der Umfragwerte, gerne länger wahlgekämpft hätte? "Ich glaube, es ist gerade recht. Wie Sie hören, bin ich ein bisschen heißer. Mehr Wahlkampfreden könnte ich nicht mehr halten."

Quasi als Ausgleich für die brüchige Stimme der Kandidatin hatte die ÖVP noch einmal prominente Damen aus dem "Wir für Benita"-Komitee hinter ihr Aufstellung nehmen lassen – eine bewährte Choreografie, auf die auch Kanzler Wolfgang Schüssel gerne zurückgreift, wenn es gilt, Geschlossenheit und Kampfeswillen zu demonstrieren. Unter ihnen waren Edith Klestil und Lotte Ingrisch, aber keine freiheitlichen Damen.

Haider für Ferrero

Dass die FPÖ Ferrero-Waldner unterstützt, war zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon mehr als überdeutlich. Wenig später outete sich auch Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider als "Benita"-Fan. Es "werde ihm nicht schwer fallen, sie zu wählen". Auch aus den eigenen Reihen rückten die Minister am Freitag tagsüber noch aus, um Werbung für ihre Kandidatin zu machen. Sie verteilten Flugzettel in U-Bahnen und Einkaufsstraßen.

Offensichtlich hatte man sich im "Benita"-Team aber auch Gedanken darüber gemacht, wie eine Niederlage zu argumentieren ist. Der Wahlkampf sei stark innenpolitisch orientiert gewesen, argumentierte Ferrero vorbeugend bei ihrer Pressekonferenz am Vormittag. "Man hat versucht, mich auf innenpolitische Themen wie Neutralität und Pensionen zu fixieren."

In jedem Falle habe man ordentlich gearbeitet, schließlich sei die Kandidatin zu Beginn um bis zu 15 Prozent hinter ihrem Gegner Heinz Fischer gelegen.

Freudig angespannt, aber auch ein bisschen erschöpft wirkte jedenfalls nicht nur die Kandidatin. "Ich bin froh, wenn das alles vorbei ist", meint ein Kampagnenmann. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.4.2004)

Mit DJ Ötzi und der gesamten Regierungs- mannschaft feierte eine etwas heisere Benita Ferrero-Waldner den Abschluss ihres Wahlkampfs am Wiener Graben: "Geben Sie mir eine Chance zu beweisen, dass auch eine Frau ihren Mann stehen kann."

Von Barbara Tóth

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