Postbus soll Bahnbus sanieren

28. April 2004, 13:26
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ÖBB verlangt von Tocherunternehmen keine Dividende, dafür soll Bahnbus-Integration vorangetrieben werden - Entscheidung über Postbus-Vorstand vertagt

Wien - Die Österreichische Postbus AG wird ihren Gewinn von 2003 - den ersten seit sieben Jahren - nicht an den neuen Eigentümer ÖBB abliefern müssen. Wie der Finanzausschuss des Postbus-Aufsichtsrats Donnerstagabend beschlossen hat, werden die Bundesbahnen keine Dividende für das abgelaufene Jahr verlangen. Die ÖBB, hieß es aus Aufsichtsratskreisen am Freitag, würden dies als Ausgleich für die Belastungen betrachten, die durch die Integration des Bahnbus entstünden. Der Bahnbus soll bis Juni dieses Jahres in den Postbus fusioniert werden.

Nach den endgültigen Zahlen, die kommende Woche dem Aufsichtsrat vorgelegt werden sollen, hat der Postbus 2003 einen Jahresüberschuss von 2,2 Mio. Euro eingefahren, nach noch 12,7 Mio. Euro Nettoverlust im Jahr davor. Der Bilanzgewinn ist durch die zusätzliche Auflösung von Rücklagen bei mehr als 4 Mio. Euro gelegen. Den Umsatz hat der Postbus kräftig um 9,5 Prozent auf 218,2 Mio. Euro gesteigert.

Unklare Situation um Bahnbus

Wie es um den Bahnbus bestellt ist, ist laut Postbuskreisen nach wie vor unklar. ÖBB-Absatzchef Ferdinand Schmidt hatte bei der Übernahme des Postbusses für den Bahnbus 2003 eine schwarze Null prognostiziert. Detailzahlen gibt es aber keine. Teuer dürfte die Integration für den Postbus außerdem werden, weil die ÖBB angeblich einen Großteil der Bahnbus-Immobilien behalten wird. Insgesamt sollen nur zwei ÖBB-Immobilien in die neue Postbus/Bahnbus-Gesellschaft wandern.

Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann hatte zuletzt außerdem zu bedenken gegeben, dass die Mitarbeiter des Bahnbus eine um 10 Prozent höhere Entlohnung erhalten würden als jene des Postbus. Im fusionierten Busbetrieb werden 2.700 Postbus-Mitarbeiter und 1.700 Bahnbus-Bedienstete arbeiten.

Führung noch unklar

Unklar bleibt weiterhin, wer neben Goldmann das künftig mit Abstand größte Busunternehmen führen wird. Der Vertrag des bisherigen zweiten Postbus-Vorstands, Werner Ott, ist bereits Anfang März ausgelaufen. Eine Entscheidung über dessen Nachfolge war zuletzt für die Aufsichtsratssitzung kommenden Dienstag angepeilt worden. Das abschließende Kandidaten-Hearing ist aber erneut vertagt worden.

Als aussichtsreichster Kandidat für den freien Postbus-Posten gilt nach wie vor Bernhard Krumpel, derzeit Kabinettschef von Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka und zuvor stellvertretender Kabinettschef von Innenminister Ernst Strasser (beide V). Im Rennen sind außerdem noch Josef Moser, derzeit Geschäftsführer der Bundessparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Österreich und zuvor Leiter des Fachverbandes Autobus, sowie die frühere Postbus-Managerin Maria Magdalena Zeichen-Ziegler, damals zuständig für die Vertragsverhandlungen mit den Verkehrsverbünden. Auch Ott hat sich wieder beworben. Laut Eigentümerkreisen werden ihm aber keine großen Chancen mehr eingeräumt.(APA)

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    Die Integration des Bahnbusses wird von der ÖBB gefördert. Die Postbus AG muss keine Dividende abliefern.

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