"Opfer einer skrupellosen Holzindustrie"

29. April 2004, 12:37
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WWF erklärt den Jatobábaum zum Baum des Jahres 2004 - das Urwaldholz ist auch in Österreich im Handel

Wien - Der im Amazonasbecken und den Tropen Zentralamerikas beheimatete Jatobábaum gehört zu den imposantesten Riesen der tropischen Regenwälder. Als Teil des sensiblen Ökosystems Regenwald bietet Jatobá einer Vielzahl von Arten Rückzugs- und Lebensraum. Auch der hochgefährdete Jaguar ruht gern im Schatten seines hellgrünen Blätterdachs. Die multinationalen Holzkonzerne sind jedoch am wertvollen Holz des Urwaldriesen interessiert und schlagen - großteils illegal - Schneisen in den Urwald, um an den begehrten Rohstoff zu gelangen. Anlässlich des Tages des Baumes am 25. April erklärte der WWF den Jatobá, "Opfer einer skrupellosen Holzindustrie", zum Baum des Jahres 2004.

"Jatobá" ist in Österreich nur als Synonym für dunkles Holzparkett bekannt. Obwohl bis zu 80 Prozent der Schlägerungen illegal sein können, findet dieses Urwaldholz dennoch den Weg in den österreichischen Handel und in heimische Wohnzimmer", ist Marc-Alexander Groß, Waldexperte des WWF Österreich, empört. Anders als Teak oder Mahagoni ist Jatobá hierzulande nur wenigen KonsumentInnen ein Begriff.

Im Handel

Nachfragen des WWF hätten gezeigt, dass in vielen Fällen nicht einmal den VerkäuferInnen bewusst ist, dass es sich bei Jatobá um Tropenholz handelt - sie bekommen das Holz von den Einkäufern der Handelsketten und werden über die Handelswege nicht informiert. "Viele Menschen sind bereits sensibilisiert, wenn es um den Kauf von Tropenhölzern geht. Deshalb bemühen sich viele Anbieter auch, ihre Kunden mit verschiedenen Strategien zu beruhigen", so Groß weiter.

So wird bei Teak beispielsweise gerne behauptet, dieses stamme aus Plantagen, was vielfach nicht belegbar sei. Anders als bei den bekannten Tropenholzarten, ist aber der Jatobábaum bei den KundInnen derart unbekannt, dass sein edles Holz auch ohne Scheinzertifikate über den Ladentisch wandern kann. "Die KäuferInnen machen sich so an der Urwaldzerstörung mitschuldig, ohne es zu wissen", so der WWF.

Zeichen setzen

"Wir wollen ein Zeichen gegen die unbedachte Urwaldzerstörung setzen und ernennen den edlen Jatobábaum zum WWF-Baum des Jahres 2004. Es soll das auch ein entschuldigendes Signal an die Opfer der Urwaldzerstörung sein und die Wertschätzung des Regenwaldes zeigen, der wegen unbedachtem Konsumverhalten seiner endgültigen Auslöschung entgegensieht", erklärte WWF-Geschäftsführer Günther Lutschinger seine Solidarität mit UreinwohnerInnen und bedrohten Arten des brasilianischen Regenwaldes. (red)

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