Das irische Erfolgsrezept

11. Februar 2005, 15:33
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Die grüne Insel als Vorbild für neue Beitrittsländer - Vorsichtige Budgetpolitik sowie Ausgaben in Forschung und Ausgaben als Erfolgsgarantie

Wien - Der EU-Beitritt alleine wird nicht ausreichen, um die acht mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer an das Wirtschaftsniveau der EU-15 heranzuführen. Entscheidend seien entsprechende Reformen sowie Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Ausbildung, heißt es in einer aktuellen Analyse der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Das hätten die Erfahrungen der früheren Beitrittsländer Irland, Griechenland, Spanien und Portugal gezeigt.

In den vergangenen paar Jahren hat der EU-Erweiterungsprozess zu einer deutlichen Verbesserung der Wirtschaftsstrukturen, der makroökonomischen Stabilität und zu einem Anstieg der Lohnniveaus in allen zehn EU-Beitrittsländern geführt (ACC-10). Besonders dramatisch war der Aufholprozess der acht mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer (CEE-8), die eine totale Kehrtwende von zentralen Planwirtschaften zu Markt orientierten Volkswirtschaften durchgeführt haben.

Handels- und Kapitalströme eng verflochten

Obwohl die alten und die neuen EU-Mitglieder bereits jetzt durch Handels- und Kapitalströme eng verflochten sind, wird die EU-Mitgliedschaft nach Ansicht der S&P-Experten zu einer noch stärkeren Integration führen und allen Vorteile bringen, insbesondere den wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern. Die Eindämmung der Budgetdefizite und der Inflation - Voraussetzungen für die Teilnahme an der Währungsunion - werden die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik verbessern. Die Euro-Einführung selbst werde wiederum den Zahlungsbilanzdruck vermindern, heißt es in der S&P-Analyse.

Durch die Erweiterung der EU auf 25 Mitglieder am 1. Mai 2004 wird sich Bevölkerung der Union und ihre geografische Fläche um ein Drittel vergrößern, das BIP der EU jedoch nur um 5 Prozent steigen, wovon mehr als die Hälfte allein auf Polen entfällt. Das Pro-Kopf-BIP der ACC-10 betrug im vergangenen Jahr 55 Prozent des Durchschnitts der EU-15.

Langfristiger Prozess

Die Annäherung an die Wirtschaftskraft der alten EU-Länder werde ein langfristiger Prozess sein, warnen die S&P-Experten vor überzogenen Erwartungen: Obwohl das Gesamt-BIP der Beitrittsländer in den vergangenen fünf Jahren um fast 20 Prozent gestiegen sei, habe sich der Abstand zu den Durchschnittseinkommen in den EU-15 nur um sechs Prozentpunkte verringert - von 49 Prozent des EU-Durchschnitts im Jahr 1999.

Wie die Erfahrungen der früheren so genannten "Kohäsionsländer" Irland (EU-Beitritt 1976), Griechenland (1981), Portugal und Spanien (1986) gezeigt hätten, reichten die EU-Mitgliedschaft und die Euro-Einführung alleine nicht für einen wirtschaftlichen Aufschwung aus. Ausschlaggebend seien Wirtschaftsreformen, die Anpassung an die legalen und wirtschaftlichen Standards der EU sowie die Schaffung der notwendigen Verwaltungsstrukturen, um die gewährten EU-Förderungen sinnvoll verteilen zu können.

Einziartiges Irland

Irland ist das einzige der früheren ärmeren EU-Beitrittsländer - die Ausgangslage der später hinzugekommenen Mitglieder wie Österreich war nicht vergleichbar - dessen Pro-Kopf-BIP heute über dem EU-Durchschnitt liegt. Trotz des frühen EU-Beitritts 1976 habe der Aufholprozess der irischen Wirtschaft erst begonnen, nachdem die Regierung entsprechende Maßnahmen gesetzt habe, so S&P. Insbesondere durch die Budgetsanierung und eine moderate Entwicklung der Löhne habe Irland die Wirtschaftskrise Anfang der 90-er Jahre besser überstanden als die anderen Kohäsionsländer. Ab der Mitte des vorigen Jahrzehnts sei es dann vor allem durch einen starken Anstieg ausländischer Direktinvestitionen (FDI) zu einer völligen Umstrukturierung der irischen Wirtschaft gekommen.

Anders als Spanien und Portugal, wo der Großteil der FDI in die Autoindustrie und Sektoren mit mittlerer Wertschöpfung gegangen sei, habe Irland von den Investitionen in exportorientierten Sektoren mit hoher Wertschöpfung profitiert. Seit Mitte der 90-er sei die irische Wirtschaft jährlich um mehr als 8 Prozent gewachsen, das Pro-Kopf-BIP legte gegenüber dem EU-Schnitt um 40 Prozentpunkte zu.

Entscheidend für den Erfolg sei aber nicht nur die Verfügbarkeit von Kapital und Arbeitskraft, sondern auch deren Qualität. Die Höhe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die Geschwindigkeit der Anpassung an neue technologische Entwicklungen, der Ausbildungsgrad der Arbeitskräfte und die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur werden nach Ansicht der S&P-Experten darüber entscheiden, ob der EU-Beitritt der acht mittel- und osteuropäischen Länder am 1. Mai zur Erfolgsgeschichte wird.(APA)

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    Guinness mag wohl auch ein Teil der irischen Erfahrung sein. Aber geraede wenn es um die Wirtschaftskraft geht, ist die grüne Insel Vorreiter in Europa.

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