Vorwürfe gegen sudanesische Armee

23. April 2004, 19:01
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Menschenrechtsorganisation spricht von "massiven Verbrechen"

New York - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) macht die sudanesische Regierung für Massaker in der Unruheregion Darfour (Darfur) verantwortlich. Die Armee würde dort Milizen systematisch bei Menschenrechtsverletzungen unterstützen. Die arabischen Milizen könnten zudem mit Straffreiheit für ihre "massiven Verbrechen" rechnen, sagte Kenneth Roth von Human Rights Watch am Donnerstag (Ortszeit) in New York. Die Menschenrechtsorganisation recherchierte für ihren Bericht fast einen Monat in der Unruheregion im Westsudan.

Dabei beobachtete sie nach eigenen Angaben auch Massaker wie Anfang März, als 136 Angehörige des Fur-Volksstammes auf Lastwagen verladen und außerhalb ihres Dorfes exekutiert wurden. Demnach verfügen die Milizen über Waffen der sudanesischen Armee und erhielten häufig Unterstützung der Luftwaffe für ihre Aktionen. "Die Milizen werden nicht mehr nur von der sudanesischen Regierung unterstützt, sondern sie operieren gemeinsam mit Regierungstruppen. Ihre massiven Verbrechen bleiben ungestraft", sagte der HRW-Direktor. Die sudanesische Armee bombardiere Dörfer, in die dann Milizen und Regierungssoldaten gemeinsam einfielen, um zu morden, zu vergewaltigen und zu brandschatzen. Armeehubschrauber stellten anschließend sicher, dass alle Einwohner aus dem Ort geflohen seien.

Der UNO-Koordinator für Notfallhilfe, Jan Egeland, hatte Anfang April von "ethnischer Säuberung" in Darfour gesprochen. In der umkämpften Region werde die schwarze, nicht-arabische Bevölkerung Opfer einer grausamen, von dem Regime in Khartum unterstützten Verfolgungskampagne. Seit Februar 2003 wurden bei den Kämpfen zwischen Regierungsmilizen und Oppositionstruppen in Darfour nach Angaben von Hilfsorganisationen bis zu 10.000 Menschen getötet und mehr als 700.000 vertrieben. 100.000 Flüchtlinge halten sich im Tschad auf. Die Not der Sudanesen, die wegen der Repression in ihrer Heimat in den benachbarten Tschad geflüchtet sind, nimmt nach Angaben von Hilfsorganisationen dramatisch zu.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Österreicher Rudolf Slatin (später Sir Rudolf Freiherr von Slatin Pascha), nachmaliger anglo-ägyptische Generalinspektor im Sudan, britischer Militärgouverneur der Provinz Darfour. (APA/AP)

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