Gefechte von Koalitionstruppen und Schiiten-Milizen in Kerbala

24. April 2004, 16:50
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Ein Bulgare getötet - Gesundheitsminister: Fast 600 Iraker im April getötet

Kerbala/Bagdad - In der zentralirakischen Schiiten-Stadt Kerbala haben sich am Freitag US-geführte Truppen und Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr Gefechte geliefert. Bei einem Hinterhalt in der zentralirakischen Stadt Kerbela ist am Freitag ein bulgarischer Soldat getötet worden.

Die Miliz habe die Soldaten der Allianz mit Sturmgewehren und Granaten angegriffen und zwei Militärfahrzeuge zerstört, berichteten Augenzeugen und die irakische Polizei. Die Mehdi-Miliz unterstützt den radikalen Schiiten-Führer Moktada el Sadr, den die US-Truppen gefangen nehmen oder töten wollen. Dieser hält sich in Nadschaf südlich von Bagdad auf und führt den Schiiten-Aufstand gegen die Besatzungstruppen an. Er drohte mit Selbstmordanschlägen, sollten die US-Truppen die den Schiiten heiligste Stadt angreifen.

Flugblätter

Am Mittwoch und Donnerstag hatten Flugzeuge der Koalition Flugblätter über der Stadt abgeworfen, in der sie die schiitischen Milizen aufforderten, ihre Waffen abzugeben und sich von öffentlichen Plätzen zurückzuziehen.

Kerbala liegt rund 110 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bagdad. Ein Sprecher der von Polen geführten Besatzungstruppen, die im südlichen Teil des Zentraliraks die Verantwortung haben, bestätigte Kämpfe in der Nähe des Rathauses. Weitere Details nannte er nicht.

Bulgarischer Soldat erschossen

Ein bulgarischer Soldat sei in der heiligen Stadt beschossen worden und seinen Verletzungen erlegen, berichtete unterdessen ein bulgarischer Reporter aus Kerbala; der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im bulgarischen Parlament, Venko Alexandrow, bestätigte in der Hauptstadt Sofia den Tod des Soldaten.

Er saß nach Angaben des bulgarischen Verteidigungsministeriums in einem Fahrzeug der bulgarischen Armee, das Unbekannte mit Granaten und automatischen Schusswaffen angriffen. Die bulgarischen Soldaten hätten das Feuer erwidert.

Die Soldaten der bulgarischen Armee im Irak unterstehen polnischem Kommando. Ende Dezember waren fünf von ihnen bei einem Autobombenanschlag ums Leben gekommen.

Neue Offensive bei Falluja

Bei Falluja, das westlich von Bagdad liegt und ebenfalls ein Brennpunkt des irakischen Widerstandes gegen die Besatzung ist, sind rund 2000 US-Marineinfanteristen stationiert. Dort bereiten sich US-Truppen auf eine mögliche neue Offensive vor, sollten die Aufständischen nicht wie vereinbart ihre schweren Waffen abgeben.

"Wenn Falludja fällt"

"Wenn Falluja fällt, fällt der Zentralirak, wenn der Zentralirak fällt, fällt die ganze Nation", sagte US-Oberst John Coleman im Lager der Truppen bei Falluja. Die Stadt ist ein Symbol des nationalen Widerstandes gegen die US-Besatzung geworden und hat eine strategisch wichtige Lage im so genannten sunnitischen Dreieck. Die Sunniten stellen zwar nicht wie die Schiiten die Bevölkerungsmehrheit im Irak, waren aber die Machtbasis des gestürzten Präsident Saddam Hussein, der selbst Sunnite ist.

Fast 600 Iraker starben im April

Nach einer am Freitag vom irakischen Gesundheitsministerium veröffentlichten Bilanz kamen seit Beginn der Kämpfe zwischen Besatzungsgegnern und Koalition fast 600 Iraker ums Leben. Mehr als 2000 wurden demnach bei den Auseinandersetzungen in und um Bagdad sowie im Süden des Irak verletzt. Im sunnitischen Falluja wurden demnach 271 Menschen getötet und 793 verletzt.

Das Ministerium berief sich dabei auf Zahlen der Krankenhäuser und von Ärzten. Irakische Vermittler hatten zuvor angegeben, allein in Falluja seien 600 Iraker getötet worden. Bei der Anschlagsserie am Mittwoch in Basra und Subair im Südirak kamen nach Angaben eines britischen Militärsprechers 74 Menschen ums Leben. 160 Menschen seien mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. (Reuters/APA)

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