In China steigt Angst vor neuem Sars-Ausbruch

27. April 2004, 10:14
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Forschungslabor abgeriegelt - 300 Personen in Peking und südlicher Provinz unter Quarantäne - Vier neue Fälle bestätigt

Peking - Nach der Bestätigung neuer Sars-Fälle steigt in China die Angst vor einem neuen Ausbruch der tödlichen Lungenkrankheit. Angesichts der bevorstehenden Reisewelle zum Mai-Feiertag rief die chinesische Regierung die Bevölkerung der südlichen Provinz Anhui am Sonntag auf, umgehende Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit zu ergreifen. Mehr als 300 Personen wurden unter Quarantäne gestellt. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerten sich besorgt, warnten jedoch vor Panik.

Vier neue Fälle

Chinas Gesundheitsbehörden bestätigten am Sonntag vier neue Sars-Fälle in Peking. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Damit erhöhte sich die Zahl der Patienten mit der lebensgefährlichen Lungenkrankheit auf sieben. Eine weitere Frau war vergangenen Montag gestorben und möglicherweise die erste Sars-Tote seit dem Ende der Epidemie im vergangenen Sommer.

Enger Kontakt

"Die Infektionen, die wir bisher beobachtet haben, sind durch engen Kontakt zwischen vermutlich mit Sars infizierten Personen zu Stande gekommen", sagte WHO-Sprecher Bob Dietz am Sonntag. Erst wenn eine "effektive Übertragung" in der Bevölkerung auftauche, könne die Lage so bedrohlich wie im vergangenen Jahr werden. Damals waren 774 Menschen an Sars gestorben, davon 349 auf dem chinesischen Festland.

Forschungslabor

Die neuen Fälle des Schweren Akuten Atemwegsyndroms tauchten in einem Forschungslabor zu Untersuchung der Krankheit in Peking auf. Das Sars-Labor wurde für zunächst zwei Wochen abgeriegelt. Die 180 Mitarbeiter wurden unter Quarantäne gestellt, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten.

Bei Besuch der Tochter infiziert

Am Freitag wurde der Tod einer Frau in der südlichen Provinz Anhui bestätigt, die nach WHO-Angaben vor ihrem Tod Sars-Symptome zeigte. Es handelt sich um die Mutter der infizierten Labormitarbeiterin, die sich vermutlich bei einem Besuch ihrer Tochter infizierte. Die 26 Jahre alte Medizinstudentin habe sich mittlerweile weitgehend erholt, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag.

Die Infektionen in einem Forschungslabor seien eine Peinlichkeit für China, sagte WHO-Sprecher Bob Dietz. Die erkrankte Labormitarbeiterin und ihre Mutter hätten mehrere Zugreisen unternommen und das Virus so möglicherweise verbreitet.

Quarantäne

Auch in Anhui wurden inzwischen mehr als hundert Personen unter Quarantäne gestellt. Die Tourismusbüros wurden angewiesen, während der Mai-Feiertage 24 Stunden geöffnet zu haben. Zudem wurden in China tausende Reisende an Flughäfen und Bahnhöfen auf Fieber untersucht. Singapur, Südkorea und Taiwan ordneten besondere Kontrollen für Reisende aus China an. (APA)

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