NS-Kriegsverbrecher: Regierung will neuen Fällen nachgehen

23. April 2004, 19:14
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Schüssel: "Österreich habe kein Interesse, Kriegsverbrecher-Verfolgungen nicht durchzuführen"

Wien - Österreich habe kein Interesse daran, Kriegsverbrecher-Verfolgungen nicht durchzuführen, betonte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel Donnerstag Nachmittag vor dem Verband der Auslandspresse. Angesprochen auf die jüngst veröffentlichten Daten des Simon Wiesenthal Center über Nazi-Kriegsverbrecher betonte Schüssel zudem, die österreichische Regierung gehe neuen Fällen nach.

Der Jahresbericht des Wiesenthal Centers für den Zeitraum 1. April 2003 bis 31. März führt 60 neue Namen potenzieller österreichischer noch lebender ehemaliger NS-Kriegsverbrecher an. Das Justizministerium, das der Liste bereits seit vergangenem Herbst nachgeht, konnte dazu bisher ermitteln, dass 34 Personen bereits gestorben sind und es für vier Personen Hinweise auf deren Existenz gebe, sie aber noch nicht aufgefunden werden konnten. In sieben Fällen konnten die Betreffenden aufgespürt werden - hier beginnen im Mai entsprechende Verfahren.

Darüberhinaus hat der Nazi-Jäger und Leiter des Jerusalem-Büros des Wiesenthal Centers, Efraim Zuroff, dem Justizministerium im April eine weitere, 121 Namen umfassende Liste an möglichen NS-Kriegsverbrechern übermittelt. Bei den 121 Genannten handle es sich um Personen, die in Einheiten der Waffen-SS gedient haben, die nachweislich an Kriegsverbrechen beteiligt waren. In diese Liste aufgenommen wurden lediglich Personen ab dem Jahrgang 1915. Das Justizministerium will diesen Hinweisen nun ebenso nachgehen wie jenen 60, die im Jahresbericht des Wiesenthal Centers angeführt sind. (APA)

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