Schlachthof-Kauf unter falschem Namen

23. April 2004, 21:23
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"Herr Moosbrunner" in Haft - wollte überschuldeten Betrieb in Unterstinkenbrunn erwerben

St. Pölten - Kein Ende der "Causa Unterstinkenbrunn". Der Käufer des überschuldeten Schlachthofes wurde am Mittwoch verhaftet. Er soll unter den Aliasnamen "Herr Moosbrunner" und "Herr Bayer" den verschuldeten Betrieb in Niederösterreich sowie einen weiteren in der Steiermark erworben haben.

Schulden beim Kauf übernommen

Zur Vorgeschichte: "Herr Moosbrunner" hatte im Herbst 2003 den verschuldeten Schlachthof in Unterstinkenbrunn (Bezirk Mistelbach) um einen symbolischen Euro erstanden - und sich damit auch verpflichtet, die Schulden zu übernehmen. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass es besagten "Herrn Moosbrunner" gar nicht gibt. Auch die Adresse seines Firmensitzes in Wien stellte sich als nicht existent heraus.

Ähnlichkeit am Passfoto

Einer aufmerksamen Mitarbeiterin des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) war kürzlich auch noch eine große Ähnlichkeit zwischen dem Passfoto des "Herrn Moosbrunner" und jenem eines "Herrn Bayer" aufgefallen. Dieser war beim Kauf eines steirischen Schlachthofes, dessen Konkursverfahren beim Handelsgericht Wien anhängig ist, ähnlich vorgegangen. Laut AKV wurde ein "Herbert Bayer" als Geschäftsführer und Alleingesellschafter übernommen. In weiterer Folge brachte dieser einen Konkursantrag ein. Auch in diesem Fall wurden die Verbindlichkeiten des Schlachthofes durch die Übernahme der Geschäftsanteile mitübertragen. Deshalb kann die Tochter des früheren Besitzers als Pächterin den Betrieb schuldenfrei weiterführen.

In dem Konkursverfahren haben nach Angaben des AKV mehr als 60 Gläubiger Gesamtforderungen von rund zwei Millionen Euro angemeldet. Trotz der Verhaftung von "Herrn Moosbrunner" beziehungsweise "Herrn Bayer" wird weiter ermittelt. (APA, DER STANDARD Printausgabe 23.4.2004)

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