Große Hochzeit von Versicherern abgeblasen

29. April 2004, 19:41
1 Posting

Wiener Städtische und HUK Coburg wollen zunächts nicht zusammengehen - Der Grund: die für 2006 angepeilte Kapitalerhöhung der Städtischen über die Börse

Coburg/Wien - Mit einem Knalleffekt endeten am Donnerstag große Hochzeitsträume in der österreichischen Versicherungsbranche. Die Wiener Städtische Versicherung und die deutsche HUK Coburg Versicherung bliesen ihre geplante wechselseitige Beteiligung ab.

"Die Vorstände haben sich darauf verständigt, ihre ursprünglichen Pläne über eine wechselseitige Kapitalbeteiligung vorerst nicht weiter zu verfolgen", verlautbarte die HUK Coburg in einer Presseerklärung am Donnerstag.

Positive Ost-Kooperation

Die Kooperation der beiden Versicherer in Polen und Bulgarien entwickle sich allerdings positiv; auch in den übrigen Geschäftsfeldern, in denen die Unternehmen kooperieren - wie etwa im Bereich der IT -, gebe es "gute Entwicklungen", heißt es in der Mitteilung.

Hintergrund der Absage der wechselseitigen Beteiligung sei die Absicht der Wiener Städtischen Allgemeinen Versicherung, im Jahr 2006 - abhängig von der Entwicklung der Aktienmärkte - eine Kapitalerhöhung über die Börse durchzuführen.

Für diesen Börsengang gebe es Überlegungen für einen Umtausch von Stamm- in Vorzugsaktien. Angesichts dessen hielten es die Vorstände der beiden Kooperationspartner "nicht für zweckmäßig, so kurz vor einem Börsengang eine wechselseitige Kapitalbeteiligung vorzunehmen".

"Vernünftigen Maßnahme"

Wiener-Städtische-Chef Günter Geyer sprach am Donnerstag von einer "vernünftigen Maßnahme". Das Thema sei aus administrativen Gründen zurückgestellt worden. Nun werde der Börsegang mit Stammaktien der Wiener Städtischen in den Vordergrund gestellt.

Einst hatte Geyer die Kooperation mit der HUK folgendermaßen begründet: "Bei dieser Kooperation geht es nicht um ein Kapitalthema, sie ist vielmehr ein Thema der Managementkapazität. Wir sind in Polen und Bulgarien gemeinsam unterwegs.

HUK ist im Autogeschäft stark - was uns in Polen hilft. Ein Vorteil ist auch die räumliche Nähe", so Geyer in einem Interview mit dem STANDARD Ende 2003.

Der erste Schritt der grenzüberschreitenden Kooperation beider Versicherungsgruppen war im Jahr 2001 der Erwerb der polnischen Versicherungsgesellschaften Compensa Sach und Compensa Leben gewesen.

Im Jahr 2003 hat dann die HUK an den zur Gruppe Wiener Städtischen gehörenden bulgarischen Gesellschaften Bulgarski Imoti Lebens- und Sachversicherung im Zuge einer Kapitalerhöhung jeweils einen Anteil von 26 Prozent erworben.

Die Wiener Städtische hält Anteile von jeweils 70 Prozent an den beiden Versicherungsgesellschaften.

Gute Fortschritte in anderen Bereichen

Auch in den übrigen Feldern der Zusammenarbeit - wie zum Beispiel im IT-Bereich und im Bereich der Kapitalanlagen und Personalausbildung - gebe es gute Fortschritte, hieß es am Donnerstag.

Beide Unternehmen seien auch entschlossen, bei sich bietender Gelegenheit Chancen für einen gemeinsamen Einstieg in weitere Märkte zu nutzen, und würden derzeit zur Vorbereitung darauf entsprechende Marktanalysen durchführen.

Von ihren Ergebnissen würden dann die Entscheidungen für nächste gemeinsame Projekte abhängen. (DER STANDARD Printausgabe, 23.04.2004 APA, Reuters, gra)

Share if you care.